Diese Eigenschaften machen das Niedermoor so besonders
Niedermoore können Kohlenstoff (CO₂) aus der Atmosphäre binden und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.
Gleichzeitig bieten sie Lebensraum für zahlreiche seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Als wäre das nicht schon genug, wirken Niedermoore wie ein natürlicher Schwamm: Sie speichern Wasser in der Landschaft und können dadurch Witterungsextreme wie Starkregen oder längere Trockenperioden abpuffern.
Während das Wasser das Moor durchfließt, wird es zusätzlich natürlich gefiltert und gelangt anschließend als sauberes Wasser in das Grundwasser. Niedermoore werden daher oft auch als „Nieren der Landschaft“ bezeichnet.
Das Niedermoor Atzenrod bei Beedenkirchen ist einer der Standorte, die im Rahmen des Niedermoor-Projekts der NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe untersucht und gesichert wurden.
Die rund zwei Hektar große Fläche wird von einem Bach geprägt, der im Niedermoor entspringt und dieses mit dem notwendigen Wasser versorgt.
Durch die dauerhafte Vernässung konnten sich hier Torfschichten von bis zu zwei Metern Mächtigkeit bilden. Diese speichern große Mengen Kohlenstoff und bieten auf ihrer Oberfläche Lebensraum für speziell angepasste Tier- und Pflanzenarten.
Besonders bemerkenswert ist das größte bekannte Vorkommen des gefährdeten Sumpf-Blutauges im Odenwald, das im Atzenrod erhalten werden konnte.
Verdrängung seltener Pflanzen
In der Vergangenheit lag das Niedermoor viele Jahre brach. Dadurch konnten sich konkurrenzstarke Pflanzen wie Stauden und Brennnesseln ausbreiten. Gleichzeitig kam es zu einer zunehmenden Entwässerung der Fläche, wodurch seltene Moorpflanzen nach und nach verdrängt wurden.
Sicherung der Moorfläche
Durch den Ankauf wichtiger Teilflächen im Jahr 2021 durch die NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe konnte das Gebiet erstmals dauerhaft gesichert werden. In der Folge wurden Maßnahmen zur Renaturierung und Pflege des Niedermoors entwickelt.
Um der Verbrachung entgegenzuwirken, wurde das Niedermoor Anfang November 2022 gemäht. Sensible Bereiche wie alte Seggenbulte oder besonders torfige Stellen wurden dabei bewusst ausgespart.
Langfristig soll das Gebiet durch eine extensive Beweidung offen gehalten werden, damit sich seltene und standorttypische Pflanzenarten wieder stärker ausbreiten können.
Nach dem Abschluss des Niedermoor-Projekts Ende 2024 wird das Gebiet weiterhin durch das Flächenmanagement der NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe betreut.
Niedermoor-Projekt der NABU-Stiftung Hessen
Von 2020 bis 2024 setzte die NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe gemeinsam mit dem Land Hessen ein Projekt zum Schutz und zur Weiterentwicklung hessischer Niedermoore um. Ziel war es, besonders wertvolle Moorflächen durch Ankauf, langfristige Sicherung und Revitalisierung dauerhaft zu erhalten.
Auch der Standort Atzenrod bei Beedenkirchen wurde im Rahmen dieses Projekts untersucht und weiterentwickelt.
Mit dem Ende der Projektförderung wird das Moor heute über das Flächenmanagement der NABU-Stiftung betreut. Pflege, Entwicklung und fachliche Begleitung erfolgen weiterhin langfristig – jedoch ohne Landesförderung und ausschließlich durch Spenden für den Naturschutz.
Zustand der erfassten hessischen Niedermoor-Standorte (Stand 2017)
Diagramm: Frank-Uwe Pfuhl / Datengrundlage BVNH