Felsberg bei Reichenbach: Aktionsbündnis Lautertaler Wald setzt sich für naturverträgliche Zukunft eines einzigartigen Schutzgebiets ein

Der Felsberg mit dem bekannten Felsenmeer bei Reichenbach gehört zu den bedeutendsten Natur- und Kulturlandschaften an der Bergstraße. Gleichzeitig steht das Gebiet seit Jahrzehnten im Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Naherholung und touristischer Nutzung. Gemeinsam mit regionalen Partnern engagiert sich der NABU Kreisverband Bergstraße im Aktionsbündnis Lautertaler Wald, um die langfristige Sicherung dieses besonderen Naturraums aktiv mitzugestalten.

Ein Schutzgebiet mit langer Geschichte

Der Schutz des Felsbergs ist kein neues Thema. Bereits 1972 wurde das Naturschutzgebiet „Felsberg bei Reichenbach“ ausgewiesen. Seit 2004 ist das Gebiet zudem Bestandteil des europäischen Natura-2000-Netzes und damit Teil eines europaweiten Schutzsystems für besonders wertvolle Lebensräume.

In den vergangenen Jahren hat sich die Diskussion um den Umgang mit dem Gebiet weiter intensiviert. Eine breite öffentliche Petition zum Schutz des Felsenmeers, politische Debatten zur Entwicklung des Gemeindewaldes Lautertal sowie neue naturschutzfachliche Bewertungen führten zu wichtigen Entscheidungen: Seit 2025 werden große Teile des gemeindeeigenen Felsbergwaldes – rund 70 Hektar – als Naturwald ausgewiesen und nicht mehr bewirtschaftet. Damit erhält die natürliche Waldentwicklung erstmals großflächig Vorrang.

Diese Entwicklung bewertet das Aktionsbündnis Lautertaler Wald als wichtigen Schritt für den langfristigen Schutz des Gebietes. Der Felsberg ist weit mehr als ein touristisches Ziel. Besonders die naturnahen Buchenwälder prägen das Gebiet und bilden einen zentralen Schutzzweck des FFH-Gebiets. Sie erfüllen entscheidende Funktionen für Artenvielfalt, Wasserhaushalt und lokales Klima.

Alte Bäume, Totholzstrukturen und natürliche Waldentwicklung schaffen Lebensräume für zahlreiche spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Gleichzeitig wirkt der Wald als natürlicher Wasserspeicher und stabilisiert das Mikroklima – Funktionen, die angesichts des Klimawandels zunehmend an Bedeutung gewinnen. Gerade weil das Gebiet gleichzeitig stark besucht wird, stehen Naturschutz und Nutzung in einem sensiblen Gleichgewicht.

Felsenmeer / Felsberg bei Reichenbach – Schutz in der Übersicht

Chronologie (Auswahl, faktenbasiert):

  • 1972: Ausweisung des Naturschutzgebiets „Felsberg bei Reichenbach“.
  • ab 2004: Bestandteil des europäischen Natura-2000-Netzes (FFH-Gebiet).
  • 2021: Start der Petition „Schützt das Naturschutzgebiet am Felsenmeer!“.
  • 2023–2024: Politische Diskussionen zur Naturwald-Ausweisung im Gemeindewald Lautertal.
  • ab 2025: Große Teile des Felsbergwaldes im Besitz der Gemeinde Lautertal werden als Naturwald ausgewiesen und nicht mehr bewirtschaftet (knapp 70 ha).
Quellen:
– Hessisches Naturschutzregister / RP Darmstadt (Natureg Hessen)
– Natura-2000-Verordnung Hessen, Managementplan FFH-Gebiet Felsberg
– Petition „Schützt das Naturschutzgebiet am Felsenmeer!“ (Change.org), Update vom 28.04.2025
– Berichterstattung Bergsträßer Anzeiger (Gemeinde Lautertal)

Aktionsbündnis Lautertaler Wald: Zusammenarbeit für den Schutz der Region

Das Aktionsbündnis Lautertaler Wald vereint mehrere NABU-Gruppen, Initiativen sowie engagierte Akteurinnen und Akteure aus der Region. Ziel ist es, Entwicklungen rund um den Felsberg fachlich zu begleiten, Wissen einzubringen und den Dialog zwischen Behörden, Gemeinden und Öffentlichkeit zu stärken. Der NABU Kreisverband Bergstraße beteiligt sich aktiv an diesem Zusammenschluss und bringt insbesondere naturschutzfachliche Perspektiven sowie Erfahrungen aus der regionalen Schutzgebietsarbeit ein. Im Mittelpunkt steht dabei ein gemeinsames Verständnis: Naturschutz funktioniert langfristig nur durch Zusammenarbeit, Transparenz und nachvollziehbare Entscheidungen.

Fachliche Stellungnahme als Beitrag zum weiteren Dialog

Im Zuge der aktuellen Planungen zur Besucherlenkung am Felsberg hat das Aktionsbündnis Lautertaler Wald eine gemeinsame fachliche Stellungnahme an das Regierungspräsidium Darmstadt übermittelt. Darin wird das vorgelegte Konzept ausdrücklich als wichtige Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung des Schutzgebietes begrüßt und zugleich durch konkrete naturschutzfachliche Hinweise ergänzt.

Ein Schwerpunkt der Stellungnahme liegt auf praktischen Fragen der Umsetzung einzelner Maßnahmen im Schutzgebiet. So regt das Bündnis unter anderem eine transparente Klärung an, aus welchen Quellen künftig benötigtes Totholz für wasserlenkende Maßnahmen stammen soll und wie dabei Eingriffe innerhalb des Schutzgebietes vermieden werden können. Ebenso wird die Frage aufgegriffen, wie mit absterbenden oder altersbedingt instabilen Bäumen entlang stark genutzter Wege naturverträglich umgegangen werden kann.

Auch die Situation im Umfeld bestehender Infrastruktur – insbesondere im Bereich des Kiosks am Felsenmeer – wird angesprochen. Hier sieht das Bündnis die Notwendigkeit, zukünftige Maßnahmen so auszurichten, dass Sicherheitsanforderungen und der Erhalt naturnaher Waldstrukturen besser miteinander vereinbar bleiben.

Darüber hinaus bringt das Aktionsbündnis Anregungen zur weiteren ökologischen Entwicklung einzelner Teilbereiche ein, etwa zur Förderung natürlicher Wiederbewaldungsprozesse im Bereich „Grieshammers Ruhe“. Gleichzeitig wurde die Bereitschaft signalisiert, entsprechende Maßnahmen im Rahmen ehrenamtlichen Engagements aktiv zu unterstützen.

Die Stellungnahme versteht sich ausdrücklich als konstruktiver Beitrag zur Weiterentwicklung des Besucherlenkungskonzeptes und als Angebot zur Zusammenarbeit bei der Umsetzung naturschutzfachlich sinnvoller Lösungen.

Alle Bilder von Yvonne Albe

Natur schützen und gleichzeitig erlebbar machen

Ein zentraler Schwerpunkt der aktuellen Arbeit des Bündnisses ist die Frage, wie Besucherströme so gelenkt werden können, dass empfindliche Lebensräume geschützt bleiben, ohne das Naturerleben einzuschränken. Aus Sicht des Aktionsbündnisses braucht es dafür mehrere Bausteine:

  • eine gezielte Besucherlenkung zur Entlastung sensibler Bereiche,
  • verständliche Information über die ökologische Bedeutung des Gebietes,
  • stärkere Vermittlung der Rolle naturnaher Buchenwälder,
  • sowie Maßnahmen, die natürliche Waldprozesse respektieren und unterstützen.

Besonders wichtig ist dabei die Umweltbildung: Wer versteht, warum alte Wälder, Totholz oder natürliche Dynamik wichtig sind, begegnet Schutzmaßnahmen mit größerer Akzeptanz. Im Zuge der aktuellen Planungen zur Besucherlenkung hat das Aktionsbündnis seine fachlichen Perspektiven gegenüber den zuständigen Behörden eingebracht. Dieser Austausch ist Teil einer kontinuierlichen Begleitung des Prozesses und soll dazu beitragen, Naturschutz, Besucherinteressen und regionale Entwicklung langfristig miteinander zu vereinbaren.

Für den NABU steht dabei ein lösungsorientierter Ansatz im Vordergrund: Ziel ist eine nachhaltige Entwicklung, die den besonderen Charakter des Felsbergs bewahrt. Der Felsberg ist ein Naturraum mit hoher ökologischer, kultureller und gesellschaftlicher Bedeutung. Das Engagement des Aktionsbündnisses Lautertaler Wald zeigt, wie regionaler Naturschutz heute funktioniert: gemeinschaftlich, fachlich fundiert und mit Blick auf kommende Generationen.