Der NABU hat mit Ehrenamtlichen & Freiwilligen einige temporäre Schutzzäune errichtet. Die Wanderaktivitäten starten in Kürze auch in Hüttenfeld, Mittershausen, Mitlechtern, Bürstadt, Viernheim Oberlücke, Jägersburger Wald, usw. In Viernheim, Lorscher Weg, sind sie schon seit 10. Februar unterwegs.
Ob sich die Grasfrösche, Teichfrösche oder Erdkröten tatsächlich in Prinzen verwandeln, wenn man sie küsst, dafür gibt es keine Garantie. Dennoch wirbt der NABU mit „Prinzen suchen Shuttle Service“, um Mitwirkende zu finden, die für diese Saison, die einige Wochen andauert, mithelfen. Für die heimischen Amphibien steht die Wandersaison vor der Tür, sie alle wollen zu ihrem Laichgewässer – eine Hochzeitsreise, die für viele tödlich endet. Die Frösche und Kröten & Co. machen sich bei ca. 6-8 Grad und frostfreien Nächten auf die Reise von ihrem Winterquartier zum Gewässer. Amphibien wandern gerne bei Regen, regennassen Straßen. Teils sind sie im Doppelpack unterwegs – dann sind sie noch langsamer unterwegs (weibliches Tier trägt männliches Tier) und sind geschwächt, da sie viele Wochen nichts gefressen haben. Weil so viele stark befahrene Straßen die Wanderroute durchziehen, benötigen die Tiere Hilfe, um ihre Reise unbeschadet zu überstehen.
In Mittershausen wurde der Schutzzaun am 07. Februar aufgebaut. Am vergangenen Wochenende wurden in Mitlechtern die beide Zäune und auch im Jägersburger Wald der Zaun errichtet. Zahlreiche Mitwirkende haben super zusammengearbeitet und insgesamt 1000m Amphibienschutzzäune errichtet. Diese Zäune halten die Kröten, Frösche, Molche davon ab, auf die Straße zu wandern. Im Boden sind Eimer eingelassen, in welche die Tiere im besten Fall hineinplumpsen. In Hüttenfeld und Viernheim wurden die Schutzzäune von Brombeeren freigeschnitten, so dass diese wieder funktionstüchtig sind. Schilder werden ebenso wieder beantragt, so dass auf die Amphibienwanderung hingewiesen wird.
In Viernheim haben sich bereits am 10. Februar die ersten Amphibien auf die Reise begeben. An anderen Orten dauert es noch etwas. Lt. Wettervorhersage könnte es am 22. Februar gute Bedingungen geben. Die Rückwanderzäune in Mittershausen und Mitlechtern werden im März aufgebaut. Die Amphibien wandern einige Zeit später, nachdem sie ihre Eier abgelegt haben, zurück.
In Eimern werden die Tiere in das Biotop gebracht
Damit ist die Arbeit aber noch nicht getan, im Gegenteil: Die umfangreichere Aufgabe steht erst noch an. Jeden Morgen und jeden Abend müssen Ehrenamtliche/Freiwillige die Zäune abgehen und kontrollieren, ob sich dort Kröten, Frösche und Molche befinden. Diese Tiere werden in Eimern gesammelt und in die Nähe des Gewässers bzw. zum Biotop gebracht, wo sie schließlich laichen können. Es ist teils eine Absammlung von der Straße erforderlich wie z.B. in der Kleingartenanlage Oberlücke Viernheim, Kleingartenanlage Hüttenfeld, in Mitlechtern in der Alzenauer Straße etc. Und auch bei der Rückwanderung bekommen die Amphibien Hilfe und werden im „Eimertaxi“ zurückgebracht.
Für diese Aktivitäten, die einige Wochen andauern, benötigt es dringend noch Mitwirkende an allen Einsatzorten.
Warum der Aufwand? Unsere heimischen Amphibien sind allesamt bedroht und in ihrem Bestand gefährdet. Das immer dichter werdende Straßennetz sowie die hohe Verkehrsdichte sorgen für einen dramatischen Rückgang der Populationen. Amphibien werden nicht nur durch Überfahren getötet, sondern können auch durch sich verändernde Druckverhältnisse unter oder neben einem Fahrzeug bei mehr als Tempo 30km/h getötet werden (sog. Barotrauma). Die Organe platzen – die Tiere sterben sehr langsam und elendig – ihnen hängt die Zunge heraus.
Und so sind nicht nur aktive Mitwirkende gefragt und wichtig, es betrifft uns alle, die wir in dieser Zeit auf den Straßen unterwegs sind. Wir bitten um Verständnis und rücksichtsvolles Fahren, um unsere kleinen Tiere und natürlich unsere Mitwirkenden nicht zu gefährden. Die Natur bedarf unserer Hilfe, um den Fortbestand dieser geschützten Arten nicht zu gefährden.
Welche Funktion haben die Amphibien in unserem Ökosystem? Sie sind Jäger und Gejagte und fressen Schnecken, Stechmücken und deren Larven und u.a. Schädlinge. Damit schützen sie auch unsere Wälder und Gärten. Seit Jahren ist die Amphibienpopulation rückläufig. Der NABU konnte im letzten Jahr fast 9000 Amphibien retten.
So kann man helfen
Der NABU Bergstraße betreut einige Wanderrouten (mit und ohne Schutzzäune) wie z.B. Mittershausen, Mitlechtern, Viernheim, Hüttenfeld, Bürstadt, Jägersburger Wald, Albersbach, Fürth-Fahrenbach, u.v.m. Weitere Informationen und Einsatzorte auf der Seite www.krötenretter.de
Ausrüstung und Wissen: Wer bei der Amphibienrettung mitmachen will, benötigt keine Vorkenntnisse, eine Einweisung erfolgt durch den NABU. Es gibt Einsatzorte, die auch für Familien mit Kids geeignet sind.
Mitwirkende müssen aus Sicherheitsgründen bei ihren Einsätzen eine Warnweste tragen, die vorn geschlossen sein muss – außerdem sollte man Taschenlampe oder Stirnlampe mitbringen – Eimer stellen wir zur Verfügung. Wir arbeiten mit einem Terminkalender, so dass jeder schauen kann, wann es zeitlich gut passend ist. Amphibien wandern immer erst ab Dämmerung, d.h. abends sind die Einsätze ab Einbruch Dämmerung.
Kontakt: Naturschützer, die abends und/oder morgens unterstützen möchten, melden sich per E-Mail amphibienwanderung@gmail.com oder per WhatsApp/Signal/Tel. 0157 564 03309.
Bild: Andrea Herschel | Text: Silvia Fusch