Mit einer festlichen Jubiläumsveranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus Bensheim-Zell hat der NABU Meerbachtal am 28. März sein 40-jähriges Bestehen gefeiert. Mehr als 100 Gäste waren der Einladung gefolgt. Der große Zuspruch, die hohe Präsenz aus Politik, Verwaltung und Naturschutz sowie die spürbare Verbundenheit vieler Wegbegleiter machten deutlich, welchen Stellenwert die Arbeit der Ortsgruppe weit über Zell und Gronau hinaus inzwischen hat.
Bereits der Blick in die Geschichte zeigt, warum dieses Jubiläum weit mehr ist als nur eine runde Zahl. Der Verein wurde im Herbst 1986 als Ortsgruppe im damaligen Deutschen Bund für Vogelschutz gegründet. Aus dem ursprünglichen Schwerpunkt Vogelschutz entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten eine breit aufgestellte Naturschutzarbeit: hinzu kamen Pflegearbeiten an Trespen-Halbtrockenrasen und anderem Magergrünland, die Betreuung von Hohlwegen, die Anlage von Teichen für Amphibien wie Erdkröte, Grasfrosch und Bergmolch sowie die Freilegung und Restaurierung von Trockenmauern als Lebensraum für Reptilien und Insekten. Schon zum 25-jährigen Jubiläum wurde zudem hervorgehoben, dass die Gruppe im Dreijahresrhythmus Obstbaumverteilungen organisiert und damit zum Erhalt der charakteristischen Streuobstwiesen beiträgt.
Vier Jahrzehnte Naturschutz mit Kontinuität
Diese Kontinuität ist eng mit dem Namen Jürgen Schneider verbunden. Er prägt den NABU Meerbachtal seit der Gründung im Jahr 1986 und wurde auch Anfang 2026 erneut als Vorsitzender bestätigt. Bei derselben Jahreshauptversammlung wurde festgehalten, dass er inzwischen auf 50 Jahre Mitgliedschaft im Naturschutzbund zurückblickt. Die Ortsgruppe hat damit nicht nur eine lange Geschichte, sondern auch eine seltene personelle Beständigkeit, die für viele ihrer Erfolge entscheidend gewesen sein dürfte.
Wie sichtbar diese Arbeit im Gelände geworden ist, lässt sich an vielen Beispielen ablesen. Bereits zum 25-jährigen Bestehen wurde die Ortsgruppe als wichtiger Partner der öffentlichen Hand beschrieben: Sie übernahm Pflegearbeiten für städtische Grundstücke, wirkte an Maßnahmen für Naturschutzgebiete wie Hemsberg und Schannenbacher Moor mit und hatte bis dahin schon über 1.400 Obstbäume in die Landschaft gebracht. Jürgen Schneider selbst schrieb damals, dass große Goldrutenbrachen in blühende Orchideenwiesen verwandelt werden konnten und durch die Pflegemaßnahmen bedrohte Arten erhalten beziehungsweise zurückgeholt wurden.
Von Landschaftspflege bis Trockenmauerprojekt
Auch in jüngerer Zeit setzt der NABU Meerbachtal starke Akzente. Der Naturwanderweg Hartmannsrech wurde 2023 von NABU Hessen als offizieller NABU-Erlebnispunkt ausgezeichnet. Der Weg führt durch orchideenreiche Trockenrasenflächen und steht beispielhaft für das, was die Gruppe seit Jahrzehnten auszeichnet: Naturschutz praktisch umzusetzen und gleichzeitig Naturerleben zu ermöglichen, ohne empfindliche Flächen zu beeinträchtigen. Entlang des rund 2,5 Kilometer langen Weges wird dieser Ansatz unmittelbar erfahrbar.
Hinzu kommen aktuelle Projekte mit großer fachlicher und finanzieller Tragweite. Laut der Jahreshauptversammlung 2026 pflegt die Ortsgruppe inzwischen mehr als 60 Hektar Magergrünland und betreut über 150 Wiesengrundstücke. Die Pflege erfolgt mit angepasster Mahd, ohne Düngung und bewusst mit Rückzugsflächen für Insekten. Zu den größten Vorhaben des vergangenen Jahres zählte die Restaurierung einer rund 250 Meter langen Trockenmauer auf einem vereinseigenen Grundstück bei Gronau; der erste Bauabschnitt wurde abgeschlossen, ein weiterer ist vorgesehen. Ergänzend erhielt der NABU Meerbachtal 2025 eine Förderung von 45.000 Euro für die Sanierung historischer Trockenmauern in Gronau.
Natur erleben und Wissen weitergeben
Ebenso prägend ist die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Der NABU Meerbachtal bietet seit vielen Jahren Exkursionen, Vorträge und Veranstaltungen für Kinder an; schon im Jubiläumsheft zum 25-jährigen Bestehen wurden Exkursionen, Vortragsabende und Ferienspiele als wichtiger Beitrag für das dörfliche Leben und das Umweltbewusstsein hervorgehoben. Für 2025 und 2026 finden sich auf den NABU-Seiten zudem botanische Wanderungen im Hartmannsrech, Bilderabende, Vogelbestimmungskurse gemeinsam mit dem Förderverein Tongruben sowie weitere öffentliche Formate. Nach Angaben der Ortsgruppe wurden allein im Jahr 2025 sechs Bildvorträge, zehn Exkursionen und vier Kurse zum Trockenmauerbau organisiert.
Ein Jubiläumsabend mit großer Wertschätzung
Dass all dies wahrgenommen und geschätzt wird, zeigte sich auch beim Jubiläumsabend selbst. Unter den Gästen und Rednern waren unter anderem Schirmherr Dr. Michael Meister, Vertreter aus Magistrat und Regierungspräsidium Darmstadt, aus dem Kreis Bergstraße, aus dem NABU-Landesverband sowie weitere Ehrengäste aus Politik, Kirche und regionalem Umfeld. Gerade für eine Ortsgruppe, die im Alltag vor allem durch praktische Arbeit im Gelände wirkt, war diese sichtbare Präsenz ein starkes Zeichen der Anerkennung.
Das Programm des Abends verband Rückblick, Würdigung und Ausblick: Nach Begrüßung und Grußworten folgten eine Showeinlage der „Young Stars“, ein Vortrag zu 40 Jahren NABU Meerbachtal mit Bildern von der Gründung bis heute, der Vorstellung aktueller Projekte und einem Einblick in den Fuhrpark sowie anschließend ein gemeinsames kaltes Büfett und viel Raum für Gespräche. Genau darin lag die besondere Stärke dieses Abends: Er war keine bloße Jubiläumsfeier, sondern Ausdruck eines gewachsenen Netzwerks und einer Naturschutzarbeit, die seit vier Jahrzehnten vor Ort verankert ist.
Naturschutz, der gemacht wird
40 Jahre NABU Meerbachtal stehen damit für weit mehr als Vereinsgeschichte. Sie stehen für verlässliche Landschaftspflege, für den Schutz wertvoller Lebensräume, für fachliche Beharrlichkeit, für ehrenamtliche Substanz und für die Fähigkeit, Menschen über Generationen hinweg für Natur zu begeistern.
Oder anders gesagt: Im Meerbachtal wird seit 40 Jahren nicht nur über Naturschutz gesprochen – hier wird er gemacht.






























