NABU Bergstraße ruft zur „Stunde der Wintervögel“ vom 9. bis 11. Januar auf

Amsel, Meise, Fink und Star gehören für viele Menschen ganz selbstverständlich zum Bild des eigenen Gartens oder des Hausumfelds dazu. Wie es diesen vertrauten Arten tatsächlich geht, ist jedoch keine Nebensache, sondern ein wichtiger Indikator für den Zustand unserer unmittelbaren Umwelt. Deshalb ruft der NABU-Kreisverband Bergstraße gemeinsam mit dem NABU-Bundesverband vom 9. bis 11. Januar 2026 zur bundesweiten Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ auf. Zum 16. Mal werden Bürgerinnen und Bürger gebeten, eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im nächsten Park zu zählen und dem NABU zu melden.

„Die Stunde der Wintervögel ist eine niedrigschwellige Aktion, bei der jede und jeder mitmachen kann“, erklärt Michael Kärchner, Vorsitzender des NABU-Kreisverbands Bergstraße. Man brauche kein Spezialwissen und keine teure Ausrüstung. Ein Block, ein Stift und ein Blick aus dem Fenster oder in den Garten genügten. „Gerade an der Bergstraße mit ihren vielfältigen Strukturen – von innerstädtischen Gärten über Innenhöfe bis hin zu Streuobstbeständen – können wir sehr gut beobachten, welche Arten sich bei uns halten und wie sich ihre Bestände über die Jahre entwickeln“, so Kärchner weiter.

Die „Stunde der Wintervögel“ hat sich in den vergangenen Jahren zu der größten wissenschaftlichen Mitmachaktion dieser Art in Deutschland entwickelt. Allein im Jahr 2025 beteiligten sich bundesweit rund 122.000 Menschen. Aus den zahlreichen Meldungen entsteht eine Langzeitstudie, die zeigt, wie sich häufige Vogelarten des Siedlungsraums entwickeln, wie sich milde Winter, Schneeperioden oder lange Trockenzeiten auswirken und welche Arten auf dem Vormarsch sind oder seltener werden. Die Ergebnisse sind für den Naturschutz von großem Wert, weil sie Trends sichtbar machen, die aus wenigen Einzelbeobachtungen nicht erkennbar wären.

Die Auswertungen der vergangenen Jahre belegen deutlich, wie stark die Beobachtungen in Gärten und Parks von der Witterung abhängen. In kalten, schneereichen Wintern rücken viele Vögel näher an die Häuser heran und nutzen Futterstellen als zusätzliche Energiequelle. Bleiben Frost und Schnee aus, finden sie meist noch genug Nahrung in der freien Landschaft und erscheinen seltener am Futterhäuschen. „Besonders spannend wird es, wenn ein Wintereinbruch mit Schnee und längerem Frost einsetzt“, sagt Kärchner. Dann sei die Chance groß, dass neben den „Stammgästen“ auch Wintergäste aus nördlicheren Regionen im Kreis Bergstraße auftauchen – etwa Zeisige, Bergfinken, Gimpel oder nordische Kohlmeisen. Solche Beobachtungen gingen in die Auswertung ein und gäben Hinweise darauf, wie sich Zug- und Aufenthaltsmuster im Zuge des Klimawandels verschieben.

Mitmachen ist einfach: Im Aktionszeitraum sucht man sich eine Stunde aus und beobachtet von einem ruhigen Platz aus die Vogelwelt rund ums Haus, im Garten, im Hof oder in einem nahegelegenen Park. Notiert wird für jede Art die höchste Anzahl von Individuen, die im Laufe dieser Stunde gleichzeitig zu sehen ist. Wer etwa zwischendurch immer wieder zwei, einmal aber vier Blaumeisen auf einmal sieht, trägt vier Blaumeisen ein. Die gemeldeten Daten können anschließend bequem über die Internetseite www.stundederwintervoegel.de
oder über die App „NABU Vogelwelt“ an den NABU übermittelt werden. Einsendeschluss ist der 19. Januar 2026.

Auch Menschen, die sich bei der Bestimmung noch unsicher fühlen, sollen sich ermutigt fühlen, mitzumachen. Der NABU stellt digitale Hilfen wie den „Vogeltrainer“ und Bestimmungshilfen in der App zur Verfügung, mit denen man sich vorab mit den typischen Wintergästen vertraut machen kann. „Die Aktion lebt davon, dass viele mitmachen“, betont Kärchner. „Je dichter das Netz an Beobachtungen auch hier an der Bergstraße ist, desto genauer wird das Bild, das wir von den Beständen unserer Gartenvögel erhalten.“

Ein weiterer Aspekt der Aktion ist die richtige Fütterung der Vögel in der kalten Jahreszeit. Der NABU empfiehlt, vor allem bei anhaltendem Frost und geschlossener Schneedecke zusätzliches Futter anzubieten, dabei jedoch auf Qualität und Hygiene zu achten. Körnerfutter in Futtersilos kommt vor allem Arten zugute, die von Natur aus Sämereien fressen, wie Finken und Spatzen. Weichfutter wie Haferflocken, Obststücke, Rosinen oder getrocknete Beeren hilft Arten wie Amsel, Rotkehlchen oder Zaunkönig, die eher im Unterwuchs nach Nahrung suchen. Meisenknödel und Nussbehälter sollten möglichst in Haltern aus Metall ohne Plastiknetze angeboten werden, damit sich die Vögel nicht verfangen können. „Wer füttert, übernimmt Verantwortung“, so Kärchner. Verdreckte Futterstellen und auf den Boden gestreute Reste könnten Krankheiten verbreiten oder Ratten anziehen. Speisereste aus der Küche seien als Vogelfutter grundsätzlich ungeeignet, weil sie leicht verderben und für Vögel oft schwer verdaulich sind. Ebenso wichtig sei ein Blick auf die Herkunft der verwendeten Futtermischungen: Billige Produkte enthielten nicht selten Samen unerwünschter Pflanzen, etwa der allergieauslösenden Ambrosie.

Für den NABU-Kreisverband Bergstraße ist die Stunde der Wintervögel nicht nur eine wissenschaftliche Aktion, sondern auch ein Angebot, der Natur vor der eigenen Haustür wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Viele Teilnehmende berichteten, dass sie durch das Zählen auf Details achteten, die ihnen im Alltag sonst entgingen. „Wer einmal eine Stunde lang bewusst hinschaut, welche Arten im eigenen Garten auftauchen, wann sie kommen und wie sie sich verhalten, nimmt seine Umgebung danach anders wahr“, beschreibt Kärchner die Erfahrung. „Das ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Wertschätzung für die Artenvielfalt – und genau diese Wertschätzung brauchen wir, wenn wir Natur dauerhaft schützen wollen.“

Weitere Informationen zur Aktion, zur Teilnahme und zu Hilfen bei der Vogelbestimmung finden sich unter www.stundederwintervoegel.de sowie auf den Seiten des NABU. Für Rückfragen und regionale Hinweise steht der NABU-Kreisverband Bergstraße zur Verfügung.

Titelbild: Rotkehlchen im winterlichen Garten – ein typischer Gast bei der „Stunde der Wintervögel“ | Jürgen Schneider