Restaurierte Trockenmauer in Gronau eingeweiht

Der NABU Meerbachtal Zell/Gronau e. V. hat am Dienstag, 29. September, die restaurierte Trockenmauer in Gronau vorgestellt und eingeweiht. Mit dem Projekt wird nicht nur ein landschaftstypisches Element erhalten: Trockenmauern bieten mit ihren zahlreichen Fugen, Spalten und unterschiedlich warmen Bereichen wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

In den vergangenen Monaten konnten große Teile des zweiten und dritten Bauabschnitts fertiggestellt werden. Auch ein neuer Unterstand ist inzwischen auf dem Gelände entstanden. Bei der Einweihung konnten sich die Besucherinnen und Besucher vor Ort ein Bild von der Entwicklung des Areals und den bereits umgesetzten Arbeiten machen.

Thomas und Lutz Müller, die den Bau der Trockenmauer ausführen, erläuterten dabei, wie eine solche Mauer entsteht. Anders als bei gemörtelten Mauern werden die Natursteine so ausgewählt und gesetzt, dass sie allein durch ihre Anordnung und ihr Eigengewicht dauerhaft Halt finden. Das erfordert Erfahrung, handwerkliches Können und einen sorgfältigen Aufbau.

Gerade diese Bauweise macht Trockenmauern aus ökologischer Sicht besonders interessant. Die offenen Fugen und Hohlräume schaffen auf kleinem Raum sehr unterschiedliche Bedingungen. Sonnenexponierte Bereiche erwärmen sich schnell, während tiefer liegende Spalten kühlere und geschützte Rückzugsräume bieten. Dadurch können Trockenmauern unter anderem Insekten, Spinnen und anderen Kleintieren sowie spezialisierten Pflanzen Lebensraum bieten.

Das Projekt des NABU Meerbachtal verbindet damit praktischen Naturschutz mit dem Erhalt einer traditionellen Form der Landschaftsgestaltung. Zugleich zeigt es, wie vorhandene Strukturen gezielt so entwickelt werden können, dass neue Lebensräume entstehen.

Für den NABU Kreisverband Bergstraße sind solche Projekte ein wichtiger Bestandteil der Naturschutzarbeit vor Ort. Vieles, was für die biologische Vielfalt entscheidend ist, entsteht nicht durch einzelne große Maßnahmen, sondern durch ein Netz unterschiedlicher Lebensräume und Strukturen in der Landschaft. Trockenmauern können dabei wertvolle Bausteine sein.

Der NABU Meerbachtal Zell/Gronau setzt die Entwicklung des Geländes in Gronau weiter fort. Die Einweihung bot zugleich Gelegenheit, das Projekt einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen und über die ökologische Bedeutung von Trockenmauern und ihre fachgerechte Anlage zu informieren.

Hintergrund

Trockenmauern: Lebensraum zwischen Stein und Sonne

Trockenmauern gehören seit Jahrhunderten zu unserer Kulturlandschaft. Ihre besondere Bauweise schafft auf kleinem Raum sehr unterschiedliche Bedingungen: warme, sonnenbeschienene Steine, schattige Bereiche sowie zahlreiche Fugen und Hohlräume. Damit können sie wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen bieten.

Viele Verstecke Spalten und Hohlräume zwischen den Steinen bieten geschützte Rückzugsorte für Insekten, Spinnen und andere Kleintiere.
Wärme und Mikroklima Natursteine speichern Sonnenwärme und schaffen besonders an sonnigen Standorten warme und trockene Kleinstlebensräume.
Raum für Pflanzen In Fugen und auf Mauerkronen können sich an die trockenen und nährstoffarmen Bedingungen angepasste Pflanzen ansiedeln.
0 Mörtel

Gerade die offenen Fugen machen den Unterschied

Eine klassische Trockenmauer wird ohne Mörtel errichtet. Die Natursteine werden so ausgewählt und gesetzt, dass sie sich gegenseitig stabilisieren. Die dabei erhaltenen Fugen und Hohlräume sind ökologisch besonders wertvoll: Sie schaffen geschützte Bereiche, unterschiedliche Temperaturen und ein vielfältiges Mosaik kleiner Lebensräume.