Artenschutzturm in Schönberg feierlich eingeweiht – Gemeinschaftsprojekt erfolgreich abgeschlossen

Nach mehr als drei Jahren Planung, Sanierung und gemeinschaftlichem Engagement ist es geschafft: Am Samstag, 24. Oktober 2026, wurde der Artenschutzturm am Waldrand von Bensheim-Schönberg feierlich eingeweiht. Die ehemalige Transformatorenstation aus den 1920er-Jahren konnte vor dem Verfall bewahrt und zugleich als Lebensraum für heimische Tierarten aufgewertet werden. Das Projekt zeigt, was möglich ist, wenn Naturschutz, Kommune, Vereine und Bürgerschaft gemeinsam an einem Ziel arbeiten.

Vom maroden Trafoturm zum Artenschutzprojekt

Die Geschichte begann vor mehr als drei Jahren bei einer Exkursion, an der unter anderem Michael Lortz und Revierförster Rius-Eckhardt beteiligt waren. Dabei fiel der schlechte Zustand des Daches der ehemaligen Transformatorenstation auf. Schnell stellte sich die Frage, wie das Gebäude erhalten und die notwendigen Reparaturen finanziert werden könnten.

Für den NABU Bensheim/Zwingenberg stand fest, dass der Turm nicht einfach dem Verfall überlassen werden sollte. Bereits 2017 hatte die NABU-Gruppe an der Fassade ein großes Fledermausquartier angebracht. Im oberen Stockwerk war außerdem ein Eulenkasten eingerichtet worden. Das historische Gebäude hatte damit längst eine wichtige Funktion für den örtlichen Artenschutz übernommen.

Gemeinsam mit der Stadt Bensheim wurden daraufhin Möglichkeiten zur Sanierung geprüft und Angebote eingeholt. Was zunächst vor allem als Reparatur des Daches begonnen hatte, entwickelte sich allerdings zu einem umfangreicheren Vorhaben. Während der Arbeiten zeigte sich, dass auch die alte Fassade erhebliche Schäden aufwies und erneuert werden musste.

Die zusätzlichen Arbeiten stellten alle Beteiligten vor organisatorische und finanzielle Herausforderungen. Durch die Zusammenarbeit der Stadt Bensheim mit dem NABU, weiteren örtlichen Vereinen und zahlreichen Unterstützern konnten schließlich auch diese Schwierigkeiten überwunden werden.

Neue Quartiere für Fledermäuse und Vögel

Mit der baulichen Sanierung wurde zugleich der Artenschutz am Turm weiterentwickelt. Vorhandene Fledermausquartiere konnten erhalten und ergänzt werden. Hinzu kamen weitere Nisthilfen für Vögel sowie eine Amphibienwanne. Informationstafeln an der Außenfassade erläutern die Geschichte des ehemaligen Trafoturms und seine heutige Bedeutung für die Tierwelt.

Dass der Standort für Fledermäuse interessant ist, hatten bereits akustische Untersuchungen im Jahr 2025 gezeigt. Dabei wurden im Umfeld des Turms unter anderem Zwergfledermäuse und Fransenfledermäuse nachgewiesen. Entlang der benachbarten Straße wurde außerdem der Große Abendsegler festgestellt.

Gerade für gebäudebewohnende Tierarten sind geeignete Rückzugsorte von großer Bedeutung. Durch Gebäudesanierungen, das Verschließen von Spalten und den Abriss alter Bauwerke gehen solche Quartiere vielerorts verloren. Artenschutztürme können hier einen wertvollen Beitrag leisten, indem sie gezielt Nist- und Rückzugsmöglichkeiten bereitstellen. Der Schönberger Turm verbindet damit zwei Ziele: den Erhalt eines historischen Bauwerks und die langfristige Sicherung geeigneter Quartierstrukturen für geschützte Tierarten.

Fördermittel, Spenden und ehrenamtlicher Einsatz machten das Projekt möglich

Die Finanzierung der umfangreichen Arbeiten gelang durch das Zusammenwirken verschiedener Förderer und Unterstützer. Einen wichtigen Beitrag leistete die Deutsche Postcode Lotterie, deren Förderung half, eine Finanzierungslücke bei der Sanierung zu schließen. Der Landschaftspflegeverband Bergstraße unterstützte den NABU bei der Einwerbung dieser Mittel.

Für die weitere artenschutzfachliche Ausstattung wurde zusätzlich eine Spendenaktion über die GGEW-Crowd ins Leben gerufen. Die Unterstützung aus der Bevölkerung half dabei, zusätzliche Fledermausquartiere, Vogelnistkästen und weitere Artenschutzmaßnahmen zu ermöglichen. Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt Bensheim war ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Trotz schwieriger kommunaler Haushaltsbedingungen konnte gemeinsam eine Lösung für den Erhalt des Gebäudes gefunden werden.

Bei der Einweihung würdigte Werner Eck, Vorsitzender des NABU Bensheim/Zwingenberg, die Unterstützung der zahlreichen Beteiligten. Sein besonderer Dank galt der Stadt Bensheim und der beteiligten Architektin Frau Fabian, dem Ortsbeirat Schönberg, dem Verschönerungsverein Schönberg mit Michael Lortz sowie Revierförster Rius-Eckhardt.

Ebenso dankte er den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, dem Landschaftspflegeverband Bergstraße mit Steffi Seitz, dem NABU Kreisverband Bergstraße und dem Gewässerverband Bergstraße. Letzterer hatte unter anderem Baggerarbeiten sowie die Bereitstellung einer Amphibienwanne und von Fledermauskästen unterstützt. Florian Schumacher wurde in diesem Zusammenhang besonders hervorgehoben. Zum Gelingen beigetragen haben außerdem zahlreiche private Spenderinnen und Spender, Mitglieder des NABU sowie die Partei Bürger für Bensheim mit einer Spende.

Ein gelungenes Beispiel für gelebten Naturschutz

Mit der Einweihung am 24. Oktober fand ein Projekt seinen erfolgreichen Abschluss, das weit über die eigentliche Gebäudesanierung hinausgeht. Aus einer gefährdeten ehemaligen Trafostation ist ein dauerhaft gesichertes Bauwerk mit zusätzlichen Quartiermöglichkeiten für heimische Tierarten geworden. Gleichzeitig ist der Artenschutzturm ein sichtbares Beispiel dafür, wie ehrenamtliches Engagement, kommunale Verantwortung und private Unterstützung ineinandergreifen können.

Werner Eck brachte diese Erfahrung in seiner Ansprache auf den Punkt: Der Artenschutzturm sei ein hoffnungsvolles Zeichen dafür, dass gelebter Naturschutz auch in schwierigen Zeiten gelingen könne, wenn Herausforderungen gemeinsam und solidarisch angegangen werden.

Für den NABU Bensheim/Zwingenberg ist der Abschluss der Sanierung deshalb nicht nur ein Erfolg für den örtlichen Artenschutz, sondern auch eine Bestätigung des langjährigen ehrenamtlichen Einsatzes. Der historische Trafoturm von Schönberg bleibt erhalten – und hat als Artenschutzturm eine neue, zukunftsweisende Aufgabe gefunden.


Hintergrund: Bereits im Juni 2026 berichtete der NABU Kreisverband Bergstraße über die Rettung des Turms und die damals noch laufende Spendensammlung zur weiteren Ausstattung mit Artenschutzquartieren. Hier geht es zum früheren Artikel über den Artenschutzturm Schönberg.

Der sanierte Artenschutzturm Schönberg am Waldrand von Bensheim-Schönberg.
Der sanierte Artenschutzturm in Bensheim-Schönberg. Die ehemalige Transformatorenstation dient heute als Rückzugsort für Fledermäuse, Vögel und weitere Tierarten.