Bei der diesjährigen Verleihung des Umweltpreises des Kreises Bergstraße wurde Wolfgang Wenner aus Wald-Michelbach mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Damit würdigte der Kreis das jahrzehntelange Wirken eines Ehrenamtlichen, der den Natur- und Artenschutz im Odenwald geprägt hat wie nur wenige andere.
Seit über 25 Jahren ist Wenner im NABU aktiv, unermüdlich im Einsatz für gefährdete Arten, seltene Lebensräume und den Dialog zwischen Mensch und Natur. Wer ihn kennt, weiß, dass sein Engagement weit über die alltägliche Naturschutzarbeit hinausgeht – es ist Haltung, Routine und Leidenschaft zugleich.
Ob beim Schutz des Bibers im Ulfenbachtal, beim jährlichen Amphibienschutz oder bei der Erfassung seltener Eulenarten: Wenner verbindet fachliche Genauigkeit mit einem wachen Blick für ökologische Zusammenhänge. Auch die erste dokumentierte Wolfssichtung bei Wald-Michelbach im Jahr 2017 geht auf seine Beobachtungen zurück – ein Beispiel für seine Sorgfalt und sein Gespür für Entwicklungen in der Natur.
Engagement mit Wirkung vor Ort
Ein besonderes Kapitel seines Wirkens ist die Orchideenwiese „Seckenrain“, die ohne seinen Einsatz wohl längst verloren wäre. Bereits um die Jahrtausendwende erkannte er den Wert dieser Fläche und setzte sich gemeinsam mit dem Arbeitskreis Heimische Orchideen Hessen (AHO) dafür ein, sie langfristig zu sichern. Dank seines beharrlichen Einsatzes konnte ein Pachtvertrag abgeschlossen und die Pflege dauerhaft organisiert werden. Heute blühen dort wieder hunderte Exemplare des Gefleckten Knabenkrauts – ein sichtbares Zeichen für gelebten Artenschutz.
Auch bei geplanten Eingriffen in sensible Landschaftsräume, etwa in der Ulfenbachaue, blieb Wenner unbeirrt. Mit präzisen Kartierungen und überzeugenden Argumenten zeigte er immer wieder, dass Naturschutz fundierte Fakten braucht und dass Ausdauer oft mehr bewirkt als laute Worte.
Die gemeinsame Nominierung durch NABU und BUND Kreisverband unterstreicht, wie sehr sein Wirken über Organisationsgrenzen hinaus Anerkennung findet. Der Umweltpreis ist damit nicht nur eine Auszeichnung für eine einzelne Person, sondern ein Symbol für das, was ehrenamtlicher Naturschutz im ländlichen Raum leisten kann.

Abschied und Dank: Stephan Schäfer beendet 24 Jahre als Kreisbeauftragter für Vogelschutz
Neben der Preisverleihung stand ein weiterer Moment im Mittelpunkt der Veranstaltung: die Verabschiedung von Stephan Schäfer, der nach 24 Jahren als Kreisbeauftragter für Vogelschutz sein Amt niederlegte.
Schäfer war über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg eine feste Größe im ornithologischen Netzwerk des Kreises Bergstraße. In enger Zusammenarbeit mit den Naturschutzgruppen und Behörden trug er entscheidend dazu bei, Lebensräume zu erfassen, Brutvogelbestände zu dokumentieren und Schutzmaßnahmen zu begleiten. Viele der heute etablierten Nistkasten- und Pflegeprogramme gehen auf seine Initiative zurück oder wurden unter seiner fachlichen Begleitung umgesetzt.
Seine Arbeit stand für Kontinuität und Fachwissen, aber auch für die ruhige und sachliche Vermittlung zwischen Ehrenamt und Verwaltung – eine Qualität, die im Naturschutz selten sichtbar, aber unverzichtbar ist. Mit seinem Ausscheiden endet eine Ära, die den Vogelschutz im Kreis nachhaltig geprägt hat.

Wertschätzung für gelebtes Engagement
Die Feierstunde im Heppenheimer Marstall machte deutlich, wie vielfältig das Engagement im Kreis Bergstraße ist. Neben Wolfgang Wenner wurden auch das Repair Café Bergstraße, die Kita Kappesgärten in Bensheim und der Verein Alte Burg Zwingenberg ausgezeichnet – alles Beispiele dafür, dass gelebter Umweltschutz viele Gesichter hat.
Für den NABU Kreisverband Bergstraße ist die Ehrung von Wolfgang Wenner und die Verabschiedung von Stephan Schäfer Anlass, Dankbarkeit und Anerkennung auszusprechen. Beide stehen für das, was Naturschutz im Kern ausmacht: Fachkenntnis, Geduld, Verantwortung und die Bereitschaft, über Jahre hinweg dranzubleiben.