17. NABU-Fachsymposium in Wetzlar: Fachlicher Austausch zu aktuellen Naturschutzthemen

Das 17. NABU-Fachsymposium fand in der Naturschutzakademie Hessen in Wetzlar statt und bot einen umfassenden Überblick über aktuelle fachliche Themen und Arbeitsfelder im Naturschutz. Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Ehrenamt und Praxis nutzten die Veranstaltung zum Austausch über laufende Projekte, methodische Entwicklungen und fachliche Fragestellungen. Im Mittelpunkt standen in diesem Jahr das akustische Vogelmonitoring, Fragen der Landnutzung und Landschaftspflege sowie die ökologische Bedeutung von Pilzen.

Ergebnisse aus drei Jahren akustischem Vogelmonitoring in Hessen

Den Auftakt des Symposiums bildete der Vortrag von Prof. Dr. Simon Thorn, Leiter der Vogelschutzwarte Hessen im Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Vorgestellt wurden Ergebnisse aus drei Jahren akustischem Vogelmonitoring in Hessen.

Der Beitrag gab einen Überblick über die eingesetzten Methoden, die Auswertung der Daten sowie über erste Erkenntnisse aus den bisherigen Erfassungen. Thematisiert wurden unter anderem Unterschiede zwischen einzelnen Artengruppen, zeitliche Veränderungen in der Rufaktivität sowie regionale Unterschiede. Darüber hinaus wurde auf die Stärken automatisierter Erfassungsverfahren eingegangen, etwa bei der kontinuierlichen Datenerhebung über längere Zeiträume. Ebenso wurden Grenzen der Methode benannt, beispielsweise bei der Artbestimmung oder bei der Interpretation von Aktivitätsmustern.

Agroforstsysteme und Möglichkeiten einer naturverträglichen Landwirtschaft

Im Anschluss referierte Jakob Nolte (Universität Gießen, NABU Laubach) zum Thema Agroforst und zu Möglichkeiten einer naturverträglichen Landwirtschaft. Der Vortrag stellte verschiedene Formen von Agroforstsystemen vor und erläuterte deren Funktionsweise.

Behandelt wurden unter anderem Effekte auf Bodenstruktur, Wasserhaushalt und Mikroklima sowie mögliche Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. Anhand von Beispielen wurde aufgezeigt, wie Gehölzstrukturen in landwirtschaftliche Flächen integriert werden können und welche Rahmenbedingungen für eine Umsetzung erforderlich sind. Der Beitrag ordnete Agroforstsysteme als einen möglichen Ansatz ein, landwirtschaftliche Nutzung und ökologische Funktionen stärker miteinander zu verbinden.

Landschaftspflegeverbände in Hessen – Stand und Perspektiven

Einen Überblick über die Landschaftspflegeverbände in Hessen gab Dr. Dietmar Simmering vom Deutschen Verband für Landschaftspflege e. V. (Koordinierungsstelle Hessen). Der Vortrag stellte Aufgaben, Organisationsstrukturen und Arbeitsfelder der Landschaftspflegeverbände vor.

Thematisiert wurden unter anderem die Zusammenarbeit mit Kommunen, Landwirtschaft und Naturschutz, Förderinstrumente sowie aktuelle Herausforderungen bei der Umsetzung von Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen. Der Beitrag zeigte auf, welche Rolle Landschaftspflegeverbände bei der praktischen Umsetzung von Naturschutzzielen spielen und welche Perspektiven sich für ihre Weiterentwicklung in Hessen ergeben.

Pilze – Leben im Verborgenen

Am Nachmittag widmete sich Harald Lutz (NABU Worfelden) der ökologischen Bedeutung der Pilze. Der Vortrag beleuchtete verschiedene Pilzgruppen und deren Funktionen in Ökosystemen. Dargestellt wurden insbesondere die Rolle von Pilzen bei Zersetzungsprozessen, in Nährstoffkreisläufen sowie ihre Bedeutung für Bodenökologie und Pflanzenwachstum. Der Beitrag machte deutlich, dass Pilze eine zentrale, häufig wenig beachtete Rolle in natürlichen Systemen einnehmen und für das Verständnis ökologischer Zusammenhänge von großer Bedeutung sind.

Berichte aus den Landesarbeitsgruppen

Im weiteren Verlauf des Symposiums folgten Berichte aus mehreren Landesarbeitsgruppen des NABU. Vorgestellt wurden aktuelle Arbeitsschwerpunkte, laufende Projekte und fachliche Fragestellungen aus unterschiedlichen Bereichen des Naturschutzes.

Beiträge kamen aus den Landesarbeitsgruppen Mollusken, Naturschutztauchen, Fledermäuse, Wolf, Ornithologie und NABU-Naturgucker. Referierten Dr. Joachim Wink, Elina Kämmerer, Thomas Steinke, Inge Till, Dr. Achim Zedler sowie Frank Gröhl. Die Berichte gaben Einblick in die fachliche Breite der NABU-Arbeit in Hessen, von Monitoring und Datenerhebung über Beratungstätigkeiten bis hin zu konkreten Artenschutz- und Schutzgebietsprojekten.

Neben den Fachvorträgen bot das Symposium Raum für Gespräche und den Austausch zwischen den Teilnehmenden. Das Fachsymposium diente damit erneut als Plattform für die fachliche Vernetzung und den Austausch aktueller Erkenntnisse und Erfahrungen im Naturschutz.