NABU Bergstraße begrüßt Diskussion über neues Wegekonzept – Schutzgebietsverordnung von 1972 soll überarbeitet werden: Rund 200.000 Menschen besuchen jedes Jahr das Felsenmeer und den Felsberg bei Reichenbach. Die hohe Zahl bleibt nicht ohne Folgen: Abseits der regulären Wege sind zahlreiche Trampelpfade entstanden, an vielen Stellen fehlt die Vegetation, Böden werden verdichtet und bei starkem Regen ausgewaschen. Wie sich Naturschutz und die intensive Freizeitnutzung künftig besser miteinander verbinden lassen, war Thema einer Gebietskonferenz des Regierungspräsidiums Darmstadt.
Ausgangspunkt ist die geplante Überarbeitung der Naturschutzgebietsverordnung für den „Felsberg bei Reichenbach“. Sie stammt vom 12. Juli 1972 und damit aus einer Zeit, in der die heutige Freizeitnutzung kaum vorhersehbar war. Das rund 168 Hektar große Gebiet ist inzwischen zusätzlich Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Geschützt werden unter anderem naturnahe Buchenwälder und die für den Felsberg charakteristischen Blockhalden.
Für den NABU Kreisverband Bergstraße nahm dessen Vorsitzender Michael Kärchner, gemeinsam mit Yvonne Albe, Beauftragte für Waldnaturschutz im Kreisverband, an der Gebietskonferenz teil. Aus seiner Sicht ist entscheidend, dass die Diskussion über neue Regeln nicht als Gegensatz zwischen Naturschutz und Naturerlebnis geführt wird. „Dass so viele Menschen das Felsenmeer besuchen, ist zunächst einmal etwas Gutes. Es zeigt, wie groß das Interesse an Natur direkt vor unserer Haustür ist“, sagt Kärchner. „Aber bei 200.000 Besuchern summieren sich auch kleine Abkürzungen. Wo viele Menschen immer wieder dieselbe Stelle abseits eines Weges nutzen, verschwindet irgendwann die Vegetation und aus wenigen Fußspuren wird ein Trampelpfad.“
Offene Böden und neue Trampelpfade
Die Folgen sind im Gebiet bereits deutlich zu sehen. Wo die schützende Vegetations- und Streuschicht fehlt, wird der Waldboden stärker beansprucht. Auf verdichteten und offenen Flächen kann Niederschlagswasser schlechter versickern und stärker oberflächlich ablaufen. Damit steigt auch die Gefahr von Erosion.
Das Regierungspräsidium weist in seinen Informationen zum Felsberg ebenfalls darauf hin, dass Querfeldeinlaufen den Waldboden verdichtet und Niederschläge anschließend leichter Boden abschwemmen können. Auch Radfahren abseits der Wege kann die Erosion verstärken. Hinzu kommt ein Problem, das bei der Gebietskonferenz mehrfach angesprochen wurde: Nicht allen Gästen dürfte bewusst sein, dass sie sich im Felsenmeer nicht nur an einem bekannten Ausflugsziel, sondern mitten in einem Naturschutzgebiet bewegen. Der Felsberg wurde bereits 1972 unter Schutz gestellt; heute ist das Gebiet zugleich Natura-2000-Gebiet.
Das nun diskutierte Besucherlenkungskonzept setzt deshalb nicht allein auf Verbote. Vorgesehen sind ein klarer definiertes Wegenetz, eine bessere Führung der Hauptbesucherströme, Leiteinrichtungen sowie das Schließen beziehungsweise Unattraktivmachen von Trampelpfaden. Zwei Gatter sind nach Angaben bei der Gebietskonferenz bereits fertiggestellt.
Ebenso wichtig sollen Information und direkte Ansprache werden. Bereits heute gibt es am Felsberg einen Lehrpfad mit 13 Informationstafeln des Regierungspräsidiums. In einem Punkt bestand in der Diskussion weitgehend Einigkeit: Das Felsenmeer soll weiterhin ein Ort bleiben, an dem Menschen wandern, klettern und Natur unmittelbar erleben können. Besucherlenkung soll nicht bedeuten, große Teile des Gebietes für die Öffentlichkeit unzugänglich zu machen.
Kärchner hält gerade deshalb verständliche Informationen für wichtig. Wer nachvollziehen könne, weshalb bestimmte Wege vorgesehen sind oder warum ein Trampelpfad geschlossen wird, werde solche Maßnahmen eher akzeptieren als bei einem bloßen Verbot.
Auch die frühere Brücke über das Felsenmeer spielte bei der Gebietskonferenz eine Rolle. Nach ihrer Sperrung und dem späteren Abbau fehlt an dieser Stelle eine direkte Querung des Blockstroms. Schon bei früheren Beratungen zur Besucherlenkung war festgestellt worden, dass die benachbarten Querwege weit auseinanderliegen. Ende 2024 war deshalb öffentlich über eine neue Querungsmöglichkeit gesprochen worden; für einen vollständigen Brückenneubau gab es damals allerdings keine Finanzierung.
Als Möglichkeit wurde die Gründung eines Fördervereins angesprochen. Eine neue Querung wäre dabei nicht nur touristische Infrastruktur. Die fehlende Brücke hat auch Auswirkungen auf Rettungseinsätze. Die Freiwillige Feuerwehr Reichenbach hat nach dem Abbau mehrfach über zusätzliche Wege bei Einsätzen im Felsenmeer berichtet.
Für den NABU liegt eine wichtige Aufgabe nun darin, stärker zu erklären, warum Besucherlenkung notwendig ist. Das Regierungspräsidium machte bei der Konferenz deutlich, dass die Behörde bei der Öffentlichkeitsarbeit auch auf andere Akteure im Gebiet angewiesen ist.
Der Kreisverband will deshalb ebenfalls für einen rücksichtsvollen Umgang mit dem Schutzgebiet werben. „Unser Appell ist eigentlich unkompliziert: Genießt das Felsenmeer, wandert, klettert und entdeckt diesen besonderen Wald. Aber wenn ein Weg da ist, dann nutzt ihn auch. Damit helfen wir alle mit, dass dieser Ort für die Natur und für die Menschen erhalten bleibt.“
Titelbild: Yvonne Albe