Rund 90 Bürgerinnen und Bürger haben in dieser Woche im Heppenheimer Marstall die gemeinsame Podiumsdiskussion von NABU Kreisverband Bergstraße, BUND Kreisverband Bergstraße, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Hessen (Kreisgruppe Bergstraße) sowie dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) besucht. Die hohe Beteiligung zeigte deutlich das Interesse an einer inhaltlichen Auseinandersetzung im Vorfeld der Kommunalwahl am 15. März.
Auf dem Podium diskutierten Florian Gottstein (Bündnis 90/Die Grünen), Marius Schmidt (SPD), Walter Öhlenschläger (Freie Wähler), Michael Kosbau (BSW), Dr. Bruno Schwarz (Die Linke), Christopher Hörst (FDP), Landrat Christian Engelhardt (CDU) sowie Eva Filz (Volt). Die Moderation übernahm Bernd Sterzelmaier. Grundlage der zweistündigen Diskussion waren Wahlprüfsteine, die die veranstaltenden Verbände im Vorfeld an neun Parteien und Wählergruppen verschickt hatten.
In den grundsätzlichen Klimaschutzzielen herrschte weitgehend Einigkeit. Keine der vertretenen Parteien stellte die Notwendigkeit von Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen infrage. Maßnahmen zur Hitzeminderung, zur Entsiegelung, zur Begrünung öffentlicher Räume oder zum Regenwasserrückhalt wurden parteiübergreifend als sinnvoll benannt. Unterschiede zeigten sich eher im Tempo, im Grad der Verbindlichkeit und in der Frage, welche Rolle der Landkreis konkret übernehmen sollte.
Deutlich kontroverser wurde das Thema Flächenverbrauch diskutiert. Hintergrund ist der neue Regionalplan-Entwurf, der im Vergleich zu früheren Planungen weniger Entwicklungsflächen vorsieht. Hier traten klare Unterschiede zutage. Vertreter der Freien Wähler, der Grünen, der Linken und von Volt sprachen sich ausdrücklich für eine verbindliche Begrenzung des Flächenverbrauchs aus. Eine solche Begrenzung müsse mit einer aktiven Strategie zur Renaturierung und Entsiegelung verknüpft werden, um verlorene Flächen schrittweise ökologisch aufzuwerten.
SPD und CDU betonten hingegen die Notwendigkeit eines nachhaltigen Umgangs mit Fläche, lehnten jedoch starre Obergrenzen ab. Sie verwiesen auf den Bedarf an Wohnraum, auf kommunale Planungshoheit und auf die Bedeutung ausreichender Flächen für wirtschaftliche Entwicklung. Auch das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) sprach sich gegen pauschale Deckelzahlen aus und forderte stattdessen eine ausgewogene Abwägung zwischen Natur- und Umweltschutz auf der einen sowie bezahlbarem Wohnen und Entwicklungsperspektiven auf der anderen Seite. Die FDP lehnte feste Obergrenzen deutlich ab und argumentierte mit der notwendigen Flexibilität der Kommunen sowie möglichen negativen Auswirkungen auf Gewerbeansiedlungen und kommunale Einnahmen. Damit wurde das Thema Flächenverbrauch zum sichtbarsten Konfliktfeld des Abends.
Auch beim Ausbau erneuerbarer Energien traten Unterschiede zutage. SPD und CDU befürworten Windkraftanlagen grundsätzlich dann, wenn sie vor Ort gewollt sind, baurechtlich möglich erscheinen und eine Akzeptanz in der Bevölkerung vorhanden ist. Die Grünen, die Linke, Volt und die Freien Wähler unterstützen den Ausbau ebenfalls, betonen jedoch eine naturverträgliche Standortwahl, klare Artenschutzkriterien und frühzeitige Bürgerbeteiligung. Die FDP sprach sich klar gegen weiteren Windkraftausbau im Kreisgebiet aus und begründete dies mit Eingriffen in Natur und Landschaft sowie mit Zweifeln an Effizienz und Systemwirkung. Photovoltaik auf Gebäuden und bestehenden Flächen wird hingegen auch von ihr als sinnvoll angesehen. Das BSW knüpfte seine Zustimmung an Bedingungen wie Wirtschaftlichkeit und Bürgerakzeptanz.
Ein weiterer Diskussionspunkt war die Frage, ob der Landkreis einen Behindertenbeirat einrichten sollte. Hier gingen die Positionen ebenfalls auseinander. FDP und CDU lehnten die Einrichtung eines zusätzlichen Beirats ab und verwiesen auf bestehende Strukturen sowie auf die Notwendigkeit konkreter Maßnahmen, etwa beim Abbau von Barrieren. Die übrigen vertretenen Parteien befürworteten ein demokratisch legitimiertes, öffentlich tagendes Gremium als institutionell verankerte Interessenvertretung für Menschen mit Behinderung.
Bei Themen wie der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie, der ökologischen Aufwertung von Gewässern und Auen sowie der Eindämmung von Lichtverschmutzung zeigte sich hingegen ein hoher Grad an Übereinstimmung. Differenzen betrafen hier weniger die Zielrichtung als vielmehr Zuständigkeiten und konkrete Ausgestaltung.
Die Diskussion machte deutlich, dass es bei vielen übergeordneten Zielen eine breite politische Schnittmenge gibt, während konkrete Instrumente und Verbindlichkeiten weiterhin unterschiedlich bewertet werden. Gerade beim Flächenverbrauch, bei der Windkraft und bei sozialpolitischen Strukturfragen wurden klare Unterschiede sichtbar, die für Wählerinnen und Wähler eine wichtige Orientierung bieten können.
Mit der gemeinsamen Veranstaltung wollten die beteiligten Verbände keine Wahlempfehlung aussprechen, sondern Positionen transparent machen und den demokratischen Diskurs stärken. Die große Resonanz im Marstall zeigte, dass Natur-, Klima- und Sozialfragen im Landkreis Bergstraße für viele Bürgerinnen und Bürger eine zentrale Rolle bei ihrer Wahlentscheidung spielen.
Die folgende Übersicht fasst die Aussagen zusammen, die im Heppenheimer Marstall getroffen wurden.
🏗️ Flächenverbrauch / Obergrenze ✅ Für eine verbindliche Begrenzung: Freie Wähler, GRÜNE, LINKE und Volt sprachen sich klar für eine Obergrenze beim Flächenverbrauch aus – verbunden mit Entsiegelung und Renaturierung.
🟡 Gegen starre Obergrenzen, aber für nachhaltigen Umgang: CDU und SPD betonten Innenentwicklung und Flächensparen, lehnten jedoch pauschale Deckel ab. Auch das BSW sprach sich gegen starre Obergrenzen aus und forderte eine Abwägung zwischen Natur- und Wohnungsfragen.
⛔ Gegen „Deckelzahlen“: FDP lehnte feste Begrenzungen deutlich ab und verwies auf kommunale Flexibilität sowie wirtschaftliche Auswirkungen.
🌬️ Windkraft ✅ Grundsätzlich befürwortet: SPD und CDU, sofern Windkraft vor Ort gewollt ist und Akzeptanz findet. Freie Wähler, GRÜNE, LINKE und Volt unterstützen den Ausbau ebenfalls unter naturverträglichen Bedingungen und mit Bürgerbeteiligung.
🟡 Zustimmung unter Bedingungen: BSW stellte Wirtschaftlichkeit und gesellschaftliche Zustimmung in den Vordergrund.
⛔ Gegen weiteren Windkraft-Ausbau im Kreis: FDP verwies auf Eingriffe in Natur und Landschaft. Photovoltaik auf Gebäuden wurde befürwortet.
💧 Gewässer & Klimaanpassung ✅ Breite Zustimmung: Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie, Regenwasserrückhalt und Schwammstadt-Konzepte wurden parteiübergreifend unterstützt. Unterschiede lagen eher bei Zuständigkeiten und konkreter Ausgestaltung.
🌙 Lichtverschmutzung ✅ Mehrheitlich befürwortet: Maßnahmen wie bedarfsgerechte, insektenfreundliche Beleuchtung fanden breite Unterstützung. Unterschiede bestanden im Detail der Umsetzung.
Aus Gründen der Transparenz stellen wir hier die vollständigen Antworten der Parteien im Original zur Verfügung – so, wie sie uns im Rahmen der Wahlprüfsteine übermittelt wurden. Die folgenden Dokumente enthalten den vollständigen Wortlaut aller Antworten.
Wahlprüfsteine Kreistagswahl 2026 (PDF)
Wahlprüfsteine Kreistagswahl 2026 (PDF)
Die obenstehenden Tabellen auf dieser Seite fassen die Antworten aus Gründen der Übersichtlichkeit zusammen. Wer sich ein eigenes Bild machen möchte, kann hier jede Antwort vollständig im Original nachlesen.