Mit der nun veröffentlichten Sonderausgabe „Zehn Jahre Monitoring an der Wattenheimer Brücke (Lorsch, Kreis Bergstraße): Ergebnisse und Trends“ liegt erstmals eine umfassende Auswertung eines über ein Jahrzehnt laufenden naturschutzfachlichen Monitorings im südlichen Kreis Bergstraße vor. Herausgegeben wurde der Band von Claus Kropp im Rahmen der Reihe Laureshamensia – Forschungsberichte des Freilichtlabors Lauresham und ist über den Heidelberger Wissenschaftsverlag Propylaeum frei zugänglich.
Ausgangspunkt der Untersuchungen ist ein extensives Ganzjahres-Beweidungsprojekt mit Rindern im Umfeld der historischen Wattenheimer Brücke. Ziel war es von Beginn an, ökologische Prozesse großflächiger Weidelandschaften wieder anzustoßen und deren Auswirkungen wissenschaftlich zu begleiten. Die vorliegende Publikation bündelt die Ergebnisse zahlreicher Einzelstudien, die über viele Jahre hinweg parallel durchgeführt wurden.
Untersucht wurden dabei eine Vielzahl von Artengruppen, darunter Vegetation, Laufkäfer, Ameisen, Spinnen, Wanzen, Tagfalter, Amphibien, Reptilien, Vögel, wildlebende Säugetiere sowie die Fischfauna der angrenzenden Weschnitz. Die große Bandbreite der Beiträge erlaubt eine differenzierte Betrachtung der Flächenentwicklung und macht deutlich, wie unterschiedlich einzelne Artengruppen auf Beweidung, Strukturvielfalt und Landschaftsveränderungen reagieren.
Mehrere Kapitel befassen sich mit der Entwicklung der Tierwelt in offenen und halboffenen Lebensräumen. Besonders die avifaunistischen Untersuchungen zeigen, dass die Kombination aus renaturierter Flussaue, Sanddünenlandschaft und extensiv genutzten Flächen eine hohe Bedeutung für zahlreiche Vogelarten besitzt. Die Auswertung langfristig gesammelter Beobachtungsdaten ermöglicht Aussagen zu Brutvorkommen, Bestandsentwicklungen und zur Bedeutung offener Landschaftsstrukturen.
Andere Beiträge, etwa zur Tagfalterfauna, machen zugleich deutlich, dass Beweidung nicht für alle Artengruppen gleichermaßen vorteilhaft ist. Während einige häufige Arten profitieren, reagieren spezialisierte oder empfindliche Arten sensibler auf Trittschäden und Nutzungsintensität. Die Publikation zeigt damit exemplarisch, dass Naturschutzmaßnahmen differenziert bewertet und gegebenenfalls angepasst werden müssen.
Ein zentrales Merkmal des Bandes ist der langfristige Ansatz. Erst durch die kontinuierliche Beobachtung über viele Jahre hinweg lassen sich belastbare Trends erkennen – sowohl positive Entwicklungen als auch Rückgänge einzelner Arten. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie wichtig begleitendes Monitoring ist, um Naturschutzmaßnahmen fachlich einordnen und weiterentwickeln zu können.
Für den Naturschutz im Kreis Bergstraße stellt die Publikation damit eine wertvolle fachliche Grundlage dar. Sie belegt, dass extensiv bewirtschaftete Flächen einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Biodiversität leisten können, zeigt aber zugleich die Grenzen einzelner Maßnahmen auf und unterstreicht die Bedeutung einer langfristigen fachlichen Begleitung.
Der vollständige Band steht als Open-Access-Publikation zur Verfügung und kann kostenfrei heruntergeladen werden. Ergänzend sind die zugehörigen Forschungsdaten separat veröffentlicht.
Lizenz & Quelle
Hinweis zur Nutzung (CC BY-SA 4.0)
Hinweis zur Nutzung
Die Veröffentlichung steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0). Inhalte dürfen unter Nennung der Quelle weiterverwendet und verbreitet werden.
Quelle
DOI:
10.11588/propylaeum.1683