Wenn es im Mai in Hecken, Gärten und Parks zwitschert, ruft der NABU wieder zur bundesweiten „Stunde der Gartenvögel“ auf. Vom 8. bis 10. Mai 2026 sind Naturfreundinnen und Naturfreunde eingeladen, eine Stunde lang die Vögel vor der eigenen Haustür zu beobachten, zu zählen und anschließend zu melden. Auch der NABU Kreisverband Bergstraße wirbt dafür, sich an der Aktion zu beteiligen.
„Die Stunde der Gartenvögel ist eine wunderbare Gelegenheit, Natur direkt vor der eigenen Haustür bewusster wahrzunehmen“, sagt Michael K. Kärchner, Vorsitzender des NABU Kreisverbands Bergstraße. „Man braucht keine besonderen Vorkenntnisse, kein großes Equipment und keinen perfekten Garten. Eine Stunde Zeit, ein aufmerksamer Blick und ein bisschen Freude an der Vogelwelt reichen völlig aus.“
Die Mitmachaktion von NABU und LBV findet 2026 bereits zum 22. Mal statt. Ziel ist es, über viele Jahre hinweg ein möglichst breites Bild davon zu bekommen, wie sich häufige Vogelarten im Siedlungsraum entwickeln. Gezählt wird nicht irgendwo in der freien Landschaft oder während eines Spaziergangs, sondern an einem festen Ort in der Nähe des Menschen – zum Beispiel im Garten, auf dem Balkon, im Hof, im Park, auf dem Friedhof, auf einer Stadtbrache oder an einem Dorfplatz.
„Gerade im Kreis Bergstraße haben viele Menschen einen direkten Bezug zur Natur – im eigenen Garten, auf dem Balkon, in Streuobstwiesen, Parks oder an den Ortsrändern“, so Kärchner. „Die Aktion zeigt sehr schön: Naturschutz beginnt nicht erst in großen Schutzgebieten. Er beginnt oft dort, wo wir wohnen, arbeiten und leben.“
So funktioniert die Teilnahme
Wer mitmachen möchte, sucht sich am Aktionswochenende zwischen Freitag, 8. Mai, und Sonntag, 10. Mai, eine beliebige Stunde aus. In dieser Zeit werden alle Vögel notiert, die gesehen oder sicher am Gesang erkannt werden. Wichtig ist, bei jeder Vogelart nur die höchste Anzahl gleichzeitig beobachteter Tiere zu melden. Ein Beispiel: Wer zunächst zwei Haussperlinge sieht und später vier gleichzeitig, meldet vier Haussperlinge – nicht sechs. So wird vermieden, dass dieselben Vögel mehrfach gezählt werden. Auch überfliegende Vögel können mitgezählt werden, wenn sie sicher bestimmt werden können.
Die Beobachtungen können anschließend bis zum 18. Mai 2026 online beim NABU oder über die kostenlose NABU-App „Vogelwelt“ gemeldet werden. Wer die App nutzt, sollte sie vor der Aktion im App Store oder Play Store aktualisieren. Der NABU Kreisverband Bergstraße betont, dass es nicht darum geht, möglichst viele Vogelarten zu finden. Auch wenige Beobachtungen sind wichtig. Selbst wenn in einer Stunde nur wenige Vögel auftauchen, kann genau diese Meldung wertvolle Hinweise liefern.
„Viele Menschen denken: Bei mir ist doch gar nicht so viel los, meine Meldung bringt bestimmt nichts. Das Gegenteil ist richtig“, erklärt Kärchner. „Gerade auch die stilleren Gärten und Balkone sind wichtig. Nur wenn viele Menschen mitmachen, entsteht ein realistisches Bild davon, wie es unseren Gartenvögeln tatsächlich geht.“ Die Ergebnisse der Aktion werden über Jahre hinweg verglichen. Dadurch lassen sich Trends erkennen: Welche Arten werden häufiger beobachtet? Welche nehmen ab? Wo verändern sich Bestände? Besonders häufige Arten wie Haussperling, Amsel, Kohlmeise, Blaumeise, Rotkehlchen, Star oder Grünfink stehen dabei im Mittelpunkt.
Hilfe bei der Bestimmung
Für Einsteigerinnen und Einsteiger stellt der NABU verschiedene Hilfen bereit. Die Zählhilfe zeigt die häufigsten Gartenvögel und erleichtert das Erfassen während der Beobachtungsstunde. Die NABU-App „Vogelwelt“ unterstützt bei der Bestimmung, außerdem gibt es online Vogelporträts, Vergleichshilfen und den NABU-Vogeltrainer.
Wer unsicher ist, sollte sich nicht entmutigen lassen. Es reicht völlig aus, nur die Arten zu melden, die sicher erkannt wurden. Niemand muss alle Vogelstimmen kennen oder jede Art sofort bestimmen können. Hilfreich ist es, sich vor der Zählstunde einen ruhigen Platz zu suchen, Papier und Stift oder die App bereitzuhalten und sich zunächst auf gut erkennbare Arten zu konzentrieren. Typische Gartenvögel wie Amsel, Kohlmeise, Blaumeise, Rotkehlchen oder Haussperling lassen sich mit etwas Übung meist gut unterscheiden.
Stunde der Gartenvögel 2026
Eine Stunde lang Vögel beobachten, zählen und melden – im Garten, auf dem Balkon, im Park oder an einem anderen festen Ort im Siedlungsraum.
- Aktionszeitraum8. bis 10. Mai 2026
- Meldeschluss18. Mai 2026
- So wird gezähltPro Art die höchste Zahl gleichzeitig beobachteter Vögel notieren.
- Wo wird gezählt?Garten, Balkon, Park, Hof, Friedhof oder Dorfplatz – aber nicht beim Spaziergang.
Auch wenige Beobachtungen sind wichtig. Jede Meldung hilft, Entwicklungen bei Amsel, Spatz, Meise, Rotkehlchen & Co. besser zu verstehen.
Foto: Mathias Schäf
Gartenvögel brauchen naturnahe Lebensräume
Die Aktion lenkt zugleich den Blick auf die Frage, wie vogelfreundlich unsere Siedlungen sind. Heimische Sträucher, alte Bäume, Stauden, wilde Ecken, Wasserstellen und ungestörte Brutplätze helfen vielen Vogelarten. Aufgeräumte Schotterflächen, versiegelte Vorgärten, fehlende Insekten und der Verlust von Nistmöglichkeiten machen es ihnen dagegen schwer.
„Wer Vögel beobachten möchte, merkt sehr schnell, wie eng Artenvielfalt mit der Gestaltung unserer Gärten und Grünflächen zusammenhängt“, sagt Kärchner. „Ein naturnaher Garten muss nicht unordentlich sein. Aber er darf lebendig sein – mit heimischen Pflanzen, Insekten, Samenständen, Hecken, Wasser und Rückzugsorten.“
Gerade zur Brutzeit ist Rücksicht besonders wichtig. Hecken und Sträucher sollten nicht geschnitten werden, wenn Vögel dort brüten. Auch bei Jungvögeln gilt: Nicht jeder scheinbar hilflose Vogel braucht menschliche Hilfe. Viele junge Vögel verlassen das Nest, bevor sie vollständig fliegen können, und werden noch von den Eltern versorgt.
Titelbild: Auch der Gartenrotschwanz kann bei der „Stunde der Gartenvögel“ beobachtet werden. Die bundesweite Mitmachaktion lädt dazu ein, eine Stunde lang Vögel im eigenen Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen. Foto: Mathias Schäf