Über 30 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zur vogelkundlichen Exkursion an die Wattenheimer Brücke bei Lorsch. Bei perfektem Wetter zeigte sich das Gebiet von seiner besten Seite: Sandige Bereiche, Kiefern, Gehölze, offene Flächen und die renaturierte Weschnitz bilden dort ein abwechslungsreiches Landschaftsmosaik, das zu den besonders spannenden vogelkundlichen Bereichen im Lorscher Stadtgebiet zählt.
Organisiert wurde die Exkursion vom Vogelschutzverein Lorsch. Die fachkundige Führung übernahm Nicolai Poeplau, unterstützt von Christian Zurek und weiteren Aktiven des Vogelschutzvereins. Aufgrund der großen Teilnehmerzahl erwies sich die zeitweise Aufteilung in zwei Gruppen als sehr sinnvoll. So konnten Beobachtungen besser erklärt, Fragen direkter beantwortet und Vogelstimmen im Gelände gezielter eingeordnet werden.
Im Mittelpunkt stand nicht nur das Beobachten, sondern vor allem auch das Hinhören. Viele Vogelarten lassen sich im Frühjahr eher über ihren Gesang oder ihre Rufe feststellen als durch eine direkte Sichtbeobachtung. Gerade für Einsteigerinnen und Einsteiger war die Exkursion deshalb eine gute Gelegenheit, typische Arten, Stimmen und Lebensräume kennenzulernen. Gleichzeitig wurde deutlich, wie viel Erfahrung nötig ist, um Vogelstimmen sicher einzuordnen und Beobachtungen im Gelände richtig zu bewerten.
Die Wattenheimer Brücke ist dabei nicht nur ein Treffpunkt im Gelände, sondern ein Ort mit besonderer naturschutzfachlicher Bedeutung. Die Weschnitz war in diesem Bereich über lange Zeit stark begradigt und strukturarm. Im Jahr 2007 wurde der Abschnitt an der Wattenheimer Brücke renaturiert. Uferbereiche wurden zurückgebaut, Auen- und Überflutungsflächen wiederhergestellt, Kies, Steine und Röhricht eingebracht sowie Gehölze gepflanzt. Dadurch entstanden neue Strukturen im und am Wasser, von denen Fische, Insekten und Vögel profitieren.
Hintergrund
Renaturierte Weschnitz: kleiner Abschnitt, große Wirkung
Die Renaturierung an der Wattenheimer Brücke hat aus einem früher stark begradigten und strukturarmen Abschnitt wieder einen deutlich vielfältigeren Lebensraum gemacht. Heute treffen hier Wasser, Gehölze, offene Sandbereiche, Kiefern und Totholz auf engem Raum zusammen.
Kleines Gebiet, bemerkenswerte Spechtvielfalt
In dem vergleichsweise kleinen Gebiet kommen sieben der neun in Deutschland lebenden Spechtarten vor. Die strukturreichen Gehölzbereiche und vor allem der hohe Anteil an Totholz schaffen dafür hervorragende Bedingungen – als Nahrungsraum, Brutplatz und Lebensraum für viele weitere Arten.
Heute zeigt sich dort, wie wertvoll solche Maßnahmen sein können. Die renaturierte Weschnitz, die angrenzenden Gehölze, offenen Sandbereiche und Kiefernbestände bilden gemeinsam einen vielfältigen Lebensraum. Genau diese Mischung macht das Gebiet für viele Vogelarten interessant: Manche nutzen die Gehölze als Brut- und Singwarten, andere profitieren von offenen Bereichen, alten Bäumen, Nistmöglichkeiten oder den naturnäheren Strukturen entlang des Gewässers.
Während der Exkursion konnten zahlreiche Arten gehört oder beobachtet werden. Zu den besonderen Highlights zählten unter anderem Pirol, Neuntöter, Nachtigall, Kuckuck und ein vorbeifliegender Eisvogel. Auch Arten wie Feldsperling, Kleiber, Gartenbaumläufer, Dorngrasmücke, Mönchsgrasmücke, Zilpzalp und Zaunkönig zeigten, wie lebendig und vielfältig die Vogelwelt in diesem Bereich ist. Ergänzend kamen digitale Bestimmungshilfen wie die Merlin Bird ID-App zum Einsatz, deren Hinweise jedoch fachlich eingeordnet werden müssen und keine sichere Bestätigung durch erfahrene Beobachterinnen und Beobachter ersetzen.
Besonders erfreulich war auch die aktive Beteiligung der Teilnehmenden. Viele hörten aufmerksam mit, stellten Fragen, suchten selbst nach Bewegungen in Bäumen, Hecken und am Himmel und tauschten sich über Beobachtungen aus. So entstand keine reine Führung „von vorne“, sondern ein gemeinsames Naturerlebnis, bei dem Wissen, Neugier und eigene Entdeckungen zusammenkamen.
Eine wichtige Rolle spielt in dem Gebiet auch die kontinuierliche Arbeit des Vogelschutzvereins Lorsch. Der Verein betreut dort seit Jahren ein umfangreiches Nistkastenangebot und erfasst regelmäßig die Vogelwelt. Dadurch entsteht nicht nur praktischer Artenschutz vor Ort, sondern auch ein wertvoller Überblick darüber, welche Arten das Gebiet nutzen und wie sich der Lebensraum entwickelt.
Der NABU Kreisverband Bergstraße bedankt sich beim Vogelschutzverein Lorsch, bei Nicolai Poeplau, Christian Zurek und allen beteiligten Aktiven für die gelungene Führung und die gute Zusammenarbeit. Die Exkursion hat eindrucksvoll gezeigt, wie groß das Interesse an heimischer Vogelwelt ist und wie wichtig es bleibt, wertvolle Lebensräume nicht nur zu schützen, sondern sie auch erlebbar und verständlich zu machen.
Gehört & erfasst
Vogelstimmen rund um die Wattenheimer Brücke
Ein Eindruck aus der Exkursion mit ergänzenden Hinweisen der Merlin Bird ID-App.
Während der Exkursion wurden zahlreiche Vogelarten gehört, beobachtet oder über Hinweise der Merlin Bird ID-App erfasst. Die Liste zeigt die akustische und ornithologische Vielfalt des Gebietes.
- Amsel
- Bekassine
- Bienenfresser
- Blaumeise
- Buchfink
- Dorngrasmücke
- Dunkelwasserläufer
- Eisvogel
- Feldsperling
- Gartenbaumläufer
- Gartengrasmücke
- Halsbandsittich
- Hohltaube
- Kleiber
- Kohlmeise
- Kuckuck
- Mönchsgrasmücke
- Nachtigall
- Neuntöter
- Pirol
- Rabenkrähe
- Ringeltaube
- Rotkehlchen
- Schwarzmilan
- Schwarzspecht
- Star
- Turmfalke
- Waldwasserläufer
- Wiedehopf
- Zaunkönig
- Zilpzalp
Digitale Bestimmungshilfen wie Merlin Bird ID können wertvolle Hinweise geben, ersetzen aber keine fachliche Bestätigung im Gelände. Gerade bei seltenen oder unerwarteten Arten sind Fehlbestimmungen möglich. Die Liste ist daher als Eindruck der während der Exkursion erfassten Vogelstimmen und Hinweise zu verstehen.