Anfang Juni beginnt für viele Jungvögel die Zeit außerhalb des Nestes. In Gärten, Parks, an Hecken, auf Gehwegen oder in Grünanlagen sind nun vermehrt junge Vögel zu beobachten, die scheinbar hilflos wirken. Auch beim NABU im Kreis Bergstraße gehen derzeit wieder vermehrt Nachfragen von besorgten Bürgerinnen und Bürgern ein.
Der NABU bittet deshalb darum, Jungvögel nicht vorschnell mitzunehmen. Häufig handelt es sich nicht um verlassene Tiere, sondern um sogenannte Ästlinge. Das sind bereits befiederte Jungvögel, die das Nest verlassen haben, auf ihren Beinen stehen oder hüpfen können und weiterhin von den Altvögeln versorgt werden.
„Das Rufen junger Vögel klingt für Menschen schnell nach einem Hilferuf. Tatsächlich handelt es sich aber oft um Bettel- oder Kontaktrufe, mit denen die Jungvögel ihre Eltern auf sich aufmerksam machen“, erklärt der NABU Kreisverband Bergstraße. Wer einen Jungvogel findet, sollte deshalb zunächst Abstand halten und die Situation in Ruhe beobachten.
Wichtig ist vor allem die Unterscheidung zwischen Nestlingen und Ästlingen. Nestlinge sind noch nackt, kaum befiedert oder besitzen nur Flaum beziehungsweise Federspulen. Sie können meist noch nicht selbstständig stehen und sind außerhalb des Nestes tatsächlich hilflos. Wenn das Nest sichtbar und erreichbar ist, sollten sie vorsichtig zurückgesetzt werden. Ist das nicht möglich, sollte fachkundige Hilfe kontaktiert werden.
Ästlinge dagegen sind bereits weitgehend oder vollständig befiedert. Sie können stehen, hüpfen oder auf einem Ast sitzen. Solche Jungvögel sollten grundsätzlich dort bleiben, wo sie sind. Nur wenn sie sich an einem gefährlichen Ort befinden, etwa auf einer Straße, einem stark genutzten Gehweg oder unmittelbar in Reichweite einer Katze, kann man sie vorsichtig aufnehmen und in ein geschütztes Gebüsch oder auf eine nahe gelegene Grünfläche setzen. Die Elternvögel nehmen ihre Jungen auch nach kurzem menschlichem Kontakt wieder an.
Hilfe ist vor allem dann nötig, wenn ein Vogel sichtbar verletzt, krank, stark geschwächt oder von einer Katze erwischt worden ist. Bei Katzenkontakt sollte auch dann fachkundige Unterstützung eingeholt werden, wenn äußerlich keine Verletzung zu erkennen ist. Besonders wichtig: Ein Mauersegler am Boden ist immer ein Notfall und sollte niemals einfach in die Luft geworfen werden.
Faustregel des NABU
Jungvogel gefunden – was ist zu tun?
Der NABU weist außerdem darauf hin, dass Wildvögel nach dem Bundesnaturschutzgesetz nicht ohne Grund aus der Natur entnommen werden dürfen. Nur verletzte, kranke oder tatsächlich hilflose Tiere dürfen vorübergehend aufgenommen werden. Gut gemeinte Hilfe kann dem Vogelnachwuchs sonst mehr schaden als nutzen.
Wer Vögeln langfristig helfen möchte, kann im eigenen Garten viel bewirken: dichte Hecken, heimische Sträucher, Stauden, wilde Ecken, Insektenreichtum und saubere Wasserstellen bieten Nahrung und Schutz. Wasserstellen sollten regelmäßig gereinigt und täglich mit frischem Wasser befüllt werden. Katzenhalterinnen und Katzenhalter werden gebeten, besonders während der Jungvogelzeit aufmerksam zu sein und Katzen möglichst im Haus zu behalten, wenn junge Vögel im Garten unterwegs sind.