An der Wattenheimer Brücke sind am Wochenende mehrere hundert Menschen zusammengekommen, um ein Zeichen für den Erhalt der Altneckarschlingen und des Regionalen Grünzugs zwischen Bensheim und Lorsch zu setzen. Anlass war die Diskussion um ein geplantes interkommunales Gewerbegebiet im Bereich westlich des Gewerbegebiets Stubenwald II. Die Kundgebung machte deutlich, dass die mögliche Bebauung dieses Landschaftsraums viele Menschen in der Region bewegt.
Initiiert und durchgeführt wurde die Veranstaltung vom Vogelschutzverein Lorsch, der das Thema damit von Lorscher Seite noch einmal deutlich sichtbar machte. Mit großem Engagement wurde vor Ort informiert, diskutiert und auf die Bedeutung des betroffenen Landschaftsraums aufmerksam gemacht. Auch zahlreiche Mitglieder des NABU aus der Region nahmen an der Kundgebung teil.
Der NABU Kreisverband Bergstraße unterstützt das Anliegen, die Altneckarschlingen und den Regionalen Grünzug in diesem Bereich zu erhalten. Aus Sicht des Verbandes geht es bei der Debatte nicht nur um eine einzelne mögliche Erweiterungsfläche, sondern um eine grundsätzliche Frage des Umgangs mit offenen Landschaftsräumen zwischen den Städten. Die Fläche im Umfeld der Wattenheimer Brücke ist Teil eines sensiblen Grünzugs und erfüllt wichtige Funktionen für Wasserhaushalt, Klima, Artenvielfalt, Biotopverbund und Naherholung.
„Die große Beteiligung zeigt, dass viele Menschen eine weitere Inanspruchnahme dieses Landschaftsraums nicht einfach hinnehmen wollen“, erklärt der NABU Kreisverband Bergstraße. „Gerade in Zeiten zunehmender Flächenversiegelung, steigender Klimabelastungen und wachsender Bedeutung intakter Freiräume müssen solche Entscheidungen besonders sorgfältig abgewogen werden.“
Besonders kritisch sieht der NABU, dass die geplante Entwicklung in einem Bereich erfolgen soll, der landschaftlich und ökologisch eng mit der Weschnitz-Aue, den Altneckarschlingen und angrenzenden Ausgleichsflächen verbunden ist. Offene Böden speichern Wasser, ermöglichen Versickerung, wirken temperaturausgleichend und bieten Lebensraum sowie Verbindungsräume für zahlreiche Arten. Werden solche Flächen versiegelt, gehen diese Funktionen dauerhaft verloren.
Der NABU Kreisverband Bergstraße verweist zudem darauf, dass die Diskussion um neue Gewerbeflächen nicht allein unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt werden dürfe. Kommunale Entwicklung sei notwendig, müsse aber mit den ökologischen Grenzen des Raums in Einklang gebracht werden. Weitere Flächenversiegelung dürfe nicht als selbstverständlich betrachtet werden, wenn sensible Landschaftsräume, regionale Grünzüge und wertvolle Freiräume betroffen seien.
Die Kundgebung an der Wattenheimer Brücke habe gezeigt, dass der Erhalt der Altneckarschlingen ein Anliegen vieler Menschen ist. Der NABU Kreisverband Bergstraße wird die weitere Entwicklung aufmerksam begleiten und sich weiterhin für eine flächenschonende, naturverträgliche und zukunftsfähige Planung einsetzen.