Stunde der Gartenvögel 2026: Ergebnisse für die Bergstraße

Endergebnisse für Deutschland und den Kreis Bergstraße liegen vor

Die diesjährige „Stunde der Gartenvögel“ ist ausgewertet. Bundesweit haben rund 56.000 Menschen mitgezählt und aus mehr als 38.000 Gärten weit über eine Million Vögel gemeldet. Auch im Kreis Bergstraße war die Beteiligung erfreulich: In 111 Gärten wurden insgesamt 3.029 Vögel aus 72 Arten gezählt. 141 Vogelfreundinnen und Vogelfreunde haben ihre Beobachtungen gemeldet.

Die Ergebnisse zeigen ein gemischtes Bild. Einige Arten wurden stabil oder sogar häufiger gemeldet, bei anderen setzen sich bedenkliche Entwicklungen fort. Besonders deutlich wird: Unsere Gärten, Parks, Höfe und Siedlungen sind wichtige Lebensräume – aber sie geraten zunehmend unter Druck.

Endergebnis 2026

Stunde der Gartenvögel im Kreis Bergstraße

Viele Meldungen, starke Beteiligung – und ein gemischtes Bild bei den Arten unserer Siedlungsräume.

111 Gärten
141 Teilnehmende
3.029 gezählte Vögel
72 Arten
Haussperling weiter auf Platz 1:
Mit 432 gezählten Vögeln bleibt der Spatz die häufigste gemeldete Art im Kreis Bergstraße. Gleichzeitig liegt er bei den Vögeln pro Garten erneut unter dem Vorjahreswert.

! Die „Stunde der Gartenvögel“ ist eine Mitmachzählung. Sie ersetzt keine vollständige wissenschaftliche Bestandserfassung, zeigt aber wertvolle Trends und Veränderungen in unseren Gärten, Parks und Siedlungen.

Haussperling bleibt Spitzenreiter – aber mit Warnsignal

Im Kreis Bergstraße führt der Haussperling die Rangliste weiterhin klar an. Mit 432 gezählten Vögeln liegt er auf Platz 1. Er wurde in gut 71 Prozent der teilnehmenden Gärten gemeldet. Das klingt zunächst erfreulich, doch der Vergleich mit dem Vorjahr zeigt: Die Zahl der Haussperlinge pro Garten liegt auch im Kreis Bergstraße um 12 Prozent niedriger als 2025.

Damit passt die lokale Entwicklung zur bundesweiten Einschätzung des NABU. Auch deutschlandweit bleibt der Haussperling zwar der am häufigsten gemeldete Vogel, verlor im Vergleich zum Vorjahr aber deutlich. Der Rückgang häufiger Arten ist besonders ernst zu nehmen, weil gerade sie wichtige Hinweise auf den Zustand unserer Siedlungsnatur geben.

Spatzen brauchen mehr als nur ein paar Körner am Futterhaus. Sie sind auf geeignete Nistplätze an Gebäuden, Hecken, Sträucher, offene Bodenstellen und ein gutes Nahrungsangebot angewiesen. Gerade zur Jungenaufzucht spielen Insekten eine wichtige Rolle. Werden Gärten zu ordentlich, Fassaden komplett verschlossen und Grünflächen immer artenärmer, verlieren auch scheinbar alltägliche Arten ihren Lebensraum.

Auch der Feldsperling zeigt im Kreis Bergstraße ein Minus. Er wurde mit 84 Individuen gezählt und liegt bei den Vögeln pro Garten 14 Prozent unter dem Vorjahr. Bundesweit fiel das Minus beim Feldsperling ebenfalls auf, wenn auch etwas geringer.

Der Haussperling belegt den ersten Platz – Foto: Mathias Schäf

Kohlmeise und Amsel sehr präsent

Auf Platz 2 folgt im Kreis Bergstraße die Kohlmeise mit 296 gezählten Vögeln. Sie wurde in mehr als 87 Prozent der teilnehmenden Gärten festgestellt und liegt gegenüber dem Vorjahr bei den Vögeln pro Garten im Plus.

Die Amsel belegt mit 279 Individuen Platz 3. Besonders bemerkenswert ist ihre Verbreitung: Sie wurde in 89,19 Prozent der Gärten gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich die Amsel im Kreis Bergstraße praktisch stabil.

Das ist auch deshalb interessant, weil die Amsel in den vergangenen Jahren immer wieder durch das Usutu-Virus betroffen war. Bundesweit sieht der NABU bei der diesjährigen Zählung keine Hinweise auf größere neue Einbrüche. Auch lokal bestätigt sich dieses Bild: Die Amsel bleibt eine der am regelmäßigsten beobachteten Arten in unseren Gärten.

Gebäudebrüter: lokal gemischtes Bild

Besonders spannend ist der Blick auf die Arten, die eng mit Gebäuden und Siedlungen verbunden sind. Dazu gehören unter anderem Mehlschwalbe, Rauchschwalbe und Mauersegler.

Bundesweit bewertet der NABU die Situation bei Mauersegler und Mehlschwalbe kritisch. Mauersegler wurden deutschlandweit 24 Prozent seltener gemeldet, bei der Mehlschwalbe lag das Minus bei 12 Prozent. Beide Arten sind auf Fluginsekten angewiesen und brüten an oder in Gebäuden. Wenn Insekten fehlen und bei Sanierungen Nischen, Spalten oder Nester verschwinden, trifft sie das besonders stark.

Im Kreis Bergstraße fällt das Bild differenzierter aus:

Die Mehlschwalbe wurde hier mit 117 Individuen gezählt und liegt bei den Vögeln pro Garten 24 Prozent über dem Vorjahr. Das ist lokal erfreulich, sollte aber nicht überbewertet werden. Bei Mitmachzählungen können Wetter, Zugverlauf, Beobachtungsorte und Meldebeteiligung eine wichtige Rolle spielen. Dennoch zeigt der Wert: Mehlschwalben sind in der Bergstraße weiterhin präsent – und ihre Kolonien verdienen besondere Aufmerksamkeit.

Der Mauersegler dagegen bestätigt lokal den kritischen Trend. Im Kreis Bergstraße wurden 76 Mauersegler gezählt, ein Rückgang von 47 Prozent bei den Vögeln pro Garten. Mauersegler verbringen fast ihr ganzes Leben in der Luft und sind hochspezialisierte Gebäudebrüter. Gehen Brutplätze bei Sanierungen verloren, lassen sie sich nicht einfach ersetzen. Deshalb ist es wichtig, bekannte Brutplätze zu erhalten und bei Bau- und Sanierungsmaßnahmen frühzeitig mitzudenken.

Auffällig positiv ist lokal die Rauchschwalbe: Sie wurde mit 41 Individuen gemeldet und liegt im Kreis Bergstraße rechnerisch 98 Prozent über dem Vorjahr. Dieser starke Prozentwert beruht allerdings auf vergleichsweise kleinen Zahlen und sollte entsprechend vorsichtig eingeordnet werden. Er ist erfreulich, aber noch kein Beleg für eine gesicherte Trendwende.

Finken: bundesweit etwas Entwarnung, lokal unterschiedliche Signale

Ein besonderer Blick galt in diesem Jahr den Finken. In den vergangenen Monaten wurden regional tote Finken gemeldet, was die Sorge vor einer stärkeren Ausbreitung von Trichomonaden geweckt hatte. Diese Parasiten können vor allem Grünfinken stark schädigen und verbreiten sich unter anderem an verschmutzten Futter- und Wasserstellen.

Bundesweit gibt der NABU hier vorsichtig Entwarnung: Der Buchfink wurde häufiger gemeldet als im Vorjahr, auch der Grünfink legte leicht zu. Das spricht zumindest nicht für eine neue größere Infektionswelle. Eine vollständige Entwarnung ist das aber nicht, denn gerade der Grünfink wird langfristig weiterhin seltener gemeldet.

Im Kreis Bergstraße ist das Bild bei den Finken gemischt. Der Grünfink wurde mit 53 Individuen gemeldet und liegt deutlich über dem Vorjahreswert. Auch der Stieglitz zeigt mit 66 Individuen ein Plus. Der Buchfink dagegen liegt lokal mit 31 Individuen unter dem Vorjahr, ebenso der Girlitz. Einzelne lokale Werte können schwanken, deshalb ist hier vor allem die längerfristige Beobachtung wichtig.

Wer Vögel füttert, sollte besonders auf Hygiene achten: Futterstellen sauber halten, möglichst Futtersäulen verwenden und Wasserstellen regelmäßig reinigen. Noch besser ist ein Garten, der Vögeln auf natürliche Weise Nahrung bietet – mit heimischen Sträuchern, Wildblumen, Samenständen, Insektenvielfalt und geschützten Brutplätzen.

Weniger Vögel pro Garten: ein langfristiger Hinweis

Die „Stunde der Gartenvögel“ ist keine wissenschaftliche Bestandserfassung im engeren Sinne. Sie ist eine große Mitmachaktion, bei der viele Menschen zur gleichen Zeit nach einer einheitlichen Methode zählen. Dadurch entstehen wertvolle Hinweise darauf, welche Arten in unseren Siedlungsräumen häufig gesehen werden und wie sich Meldungen über die Jahre verändern.

Bundesweit setzt sich ein längerfristiger Rückgang der gemeldeten Vögel pro Garten fort. Während 2018 im Durchschnitt noch 33,79 Vögel pro Garten oder Park gezählt wurden, waren es 2026 nur noch 28,43. Das ist kein Wert, den man auf jede einzelne Art oder jeden einzelnen Ort übertragen kann. Aber er zeigt eine Richtung, die ernst genommen werden muss.

Die Ursachen sind vielfältig: weniger Insekten, weniger Nistplätze, versiegelte Flächen, naturferne Gärten, intensive Pflege, Hitze und Trockenheit. Viele dieser Faktoren wirken direkt in unseren Siedlungen. Genau deshalb können auch dort Verbesserungen ansetzen.

Vögeln helfen

Mehr Leben in Garten, Hof und Siedlung

Viele Gartenvögel brauchen Nahrung, Nistplätze und geschützte Strukturen – oft direkt vor unserer Haustür.

Die Ergebnisse der Zählung zeigen: Vogelschutz beginnt nicht erst im Naturschutzgebiet. Auch Gärten, Balkone, Vereinsflächen, Schulhöfe und öffentliche Grünanlagen können wichtige Lebensräume sein.

  • Heimische Pflanzen setzen Sie bieten Samen, Beeren, Insekten und Deckung.
  • Nistplätze erhalten Besonders wichtig für Spatzen, Schwalben und Mauersegler.
  • Insekten fördern Wildblumen, Totholz und ungemähte Ecken helfen vielen Arten.
  • Wasserstellen sauber halten Regelmäßige Reinigung senkt das Risiko von Krankheitsübertragungen.

Ein naturnaher Garten muss nicht unordentlich sein. Aber er braucht Vielfalt, heimische Pflanzen und Bereiche, in denen Tiere Nahrung, Schutz und Brutplätze finden.

Danke an alle, die mitgezählt haben

Der NABU Kreisverband Bergstraße dankt allen, die sich an der „Stunde der Gartenvögel“ beteiligt haben. Jede Meldung hilft, Veränderungen in unserer Vogelwelt besser sichtbar zu machen. Die Ergebnisse zeigen: Es gibt Lichtblicke, aber auch klare Warnsignale. Haussperling und Feldsperling bleiben Sorgenkinder, der Mauersegler steht auch im Kreis Bergstraße deutlich unter Druck, während Amsel, Kohlmeise und einige andere Arten erfreulich präsent sind. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, unsere Dörfer und Städte wieder lebendiger, strukturreicher und naturnäher zu gestalten.

Denn wer Vögel schützen will, schützt immer auch Lebensräume – direkt vor der eigenen Haustür.

Titelbild: Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) Foto: Jürgen Schneider