Desinformation ist längst kein Randphänomen mehr – auch Klima-, Umwelt- und Naturschutz sind zunehmend Zielscheibe gezielt irreführender oder manipulativer Inhalte. Vor kurzem fand im Naturschutzzentrum Bergstraße ein mehrstündiger Workshop der Initiative faktenstark statt, der sich praxisnah mit genau diesen Herausforderungen befasste.
Das Workshopformat wurde auf Initiative des NABU Bundesverbandes durchgeführt und durch den NABU Kreisverband vor Ort ermöglicht. faktenstark ist eine Initiative der Amadeu Antonio Stiftung und von codetekt, unterstützt von der Bertelsmann Stiftung sowie der Michael Otto Foundation for Sustainability.
Rund 15 Teilnehmende nutzten das kostenfreie Angebot. Geleitet wurde der Workshop von der Referentin Clara Labuhn, die fachliche Inputs, interaktive Methoden und Gruppenarbeiten miteinander verband.
Im Mittelpunkt standen drei Fragen: Was genau ist Desinformation – und wie lässt sie sich von Falschmeldungen oder dem Begriff „Fake News“ abgrenzen? Welche Manipulationstechniken werden genutzt, um Zweifel zu säen oder Vertrauen in Wissenschaft, Medien, Institutionen sowie demokratisches Engagement zu untergraben? Und wie kann man Desinformation im Alltag erkennen, überprüfen und ihr sachlich sowie respektvoll begegnen – sei es im Ehrenamt, im persönlichen Umfeld oder online?
Neben inhaltlichen Inputs setzte der Workshop auf interaktive Formate, die zur Selbstreflexion und zum Austausch einluden. Dazu gehörten strukturierte Meinungsabfragen, bei denen sich die Teilnehmenden entlang eines Positionsspektrums und ihre Zustimmung, beziehungsweise Ablehnung zu verschiedenen Fragestellungen sichtbar machten. Dieses Element diente dazu, unterschiedliche Perspektiven im Raum wahrnehmbar zu machen und Gesprächsanlässe zu schaffen, ohne dass einzelne Personen herausgestellt wurden.
Ein weiterer zentraler Baustein war ein Gallerywalk-Format: An verschiedenen Stationen wurden typische Muster, Strategien und „Stilmittel“ vorgestellt, mit denen Desinformation arbeitet. Die Teilnehmenden konnten sich im eigenen Tempo durch die Inhalte bewegen, Beispiele diskutieren und Beobachtungen zusammenführen. Dabei ging es unter anderem um Mechanismen, die stark auf Emotionen setzen, Themen bewusst verschieben, Aussagen verzerren oder Inhalte aus dem Kontext reißen, um einen falschen Eindruck zu erzeugen. Ebenso wurde thematisiert, wie Desinformation gezielt Misstrauen gegenüber Institutionen und etablierten Informationsquellen befördern kann oder durch eine Vielzahl widersprüchlicher Versionen Verwirrung stiftet.

Ergänzend dazu wurden konkrete Wege der Informationsprüfung vermittelt. Dazu gehörte die Frage, woran sich die Vertrauenswürdigkeit einer Information einschätzen lässt – etwa anhand von Quelle und Nachvollziehbarkeit, der Passung von Überschrift und Inhalt, der sprachlichen Gestaltung, des Umgangs mit Zitaten und Kontext sowie des eingesetzten Bildmaterials. Als praktisches Werkzeug wurde unter anderem die Rückwärtssuche von Bildern als Möglichkeit vorgestellt, um Herkunft und Verwendungszusammenhänge von Bildmaterial besser prüfen zu können. Deutlich gemacht wurde dabei, dass einzelne Indikatoren für sich allein selten ausreichen, sondern erst die Gesamtschau verschiedener Kriterien zu einer belastbareren Einschätzung führt.
In Kleingruppen bearbeiteten die Teilnehmenden außerdem alltagsnahe, bewusst fiktiv gestaltete Situationen, wie sie im privaten Umfeld, im Freundeskreis oder in digitalen Debatten auftreten können. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Handlungsmöglichkeiten es gibt, wenn man mit Desinformation konfrontiert wird – und wie sich dabei das eigene Ziel, die Beziehung zum Gegenüber, der Kontext (öffentlich oder privat, online oder offline) und die jeweilige Dynamik berücksichtigen lassen. Der Workshop arbeitete hier nicht mit einfachen „Standardantworten“, sondern machte sichtbar, dass der Umgang situationsabhängig ist und sowohl sachliche Klarheit als auch respektvolle Kommunikation erfordert.
Der Workshop stieß auf eine sehr positive Resonanz. Die Teilnehmenden brachten sich engagiert ein, teilten Erfahrungen aus der Praxis und trugen mit Fragen und Diskussionen zu einer lebendigen Arbeitsatmosphäre bei. Aus dem Teilnehmerkreis kam mehrfach der Wunsch, vergleichbare Veranstaltungen künftig erneut an die Bergstraße zu holen.
Der NABU Bergstraße bedankt sich ausdrücklich bei der Referentin für die fachlich fundierte und zugleich anschauliche Durchführung des Workshops sowie bei allen Teilnehmenden für das große Interesse und die aktive Mitarbeit. Kreisvorsitzender Michael Kärchner zeigte sich erfreut über die Rückmeldungen: „Gerade im Klima- und Umweltschutz begegnen uns immer häufiger gezielte Desinformationen. Der Workshop hat gezeigt, wie wichtig es ist, Ehrenamtliche hier zu stärken, praxisnah und dialogorientiert. Die positive Resonanz bestärkt mich darin, solche Angebote auch künftig nach Möglichkeit wieder in die Region zu holen.“
